43. "Gold to Go" - Neurodivergente Kinder und Kranksein
Shownotes
Kranksein ist für kein Kind leicht – für neurodivergente Kinder kann es jedoch eine ganz besondere Herausforderung sein.
In dieser Gold-to-Go-Folgespreche ich darüber, warum Erkältungen, Grippe, Magen-Darm & Co. im neurodivergenten Kontext oft „eine Schippe mehr“ bedeuten. Es geht dabei ausdrücklich um akute Infekte, nicht um chronische oder schwere Krankheitsbilder.
In dieser Folge schauen wir uns an, warum Körperempfinden und Interozeption bei neurodivergenten Kindern Krankheitserleben verstärken, verschieben oder schwer einordbar machen, wie sensorische Reize wie Husten, Schnupfen oder Atemveränderungen schnell zu Überreizung führen können und welchen Stress Kontrollverlust beim Kranksein auslösen kann.
Außerdem teile ich viele konkrete Ideen, wie ihr eure Kinder (und euch selbst) durch Krankheitstage begleiten könnt.
👉 Habt ihr eigene Tricks oder Erfahrungen, besonders rund um Medikamente oder Kranksein? Dann teilt sie gern in den Kommentaren.
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Transkript anzeigen
00:00:01: Hi und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Gold to Go.
00:00:05: Hier kläre ich kurz und prägnant einzelne Aspekte rund um neue Divergenz oder beantworte auch mal häufige Fragen ganz fokussiert.
00:00:14: festgestellt, dass ich mich lange nicht mehr vorgestellt habe und im letzten Jahr ist ja diese Zahl der Zuhörerinnen hier doch deutlich gestiegen und darum einmal passend zum neuen Jahr ein ganz herzliches Hi.
00:00:25: Ich bin Saskia und ich bin Selbstrautiste mit ADHS und einer Hochbegabung.
00:00:30: Ich begleite außerdem auch als Mutter neurodivergente Kinder und bin zudem noch Lehrkraft und da begegnet einem das Thema ja dann doch auch schon sehr präsent.
00:00:41: Und über die Jahre, meine eigenen Erfahrungen Meine Berufserfahrungen und sehr, sehr, sehr viel Literatur und Austausch habe ich mir viel vertieftes Wissen zu diesem Thema angeeignet und spreche hier darüber.
00:00:54: Die Folgen wechseln sich ab.
00:00:55: Wir haben einmal Interviewformate mit kompetenten Gästinnen und einmal diese Gold-Go-Folgen, die ihr eben auch heute hören könnt.
00:01:05: Ein Kopf voll Gold.
00:01:07: Was Neuro-Divagente-Kinder brauchen und wie wir sie stärken können.
00:01:17: Ich freue mich, dass ihr hier seid und damit legen wir los.
00:01:20: Heute geht es sehr passend zum momentanen Jahreszeit.
00:01:23: um neurodioligente Kinder und das lästige Kranksein.
00:01:27: Und damit meine ich jetzt in diesem Fall ganz explizit einfach so diese gängigen Infekte wie Erkältung, Grippe, Magendamen und Co.
00:01:36: Und jetzt nicht darüber hinausgehende zum Beispiel langwierige Krankheitsbilder.
00:01:41: Die sind natürlich für Eltern und für Kinder eine ganz andere Dimension an Herausforderungen und um die soll es jetzt hier gar nicht gehen, sondern eben ja, so das Kranksein, das uns.
00:01:52: doch gerade in dieser Jahreszeit immer mal wieder ereilt.
00:01:56: So krank sein ist wohl für keinen Menschen so besonders schöner Umstand und am Ende kennen alle Eltern die Anstrengung ein Kind mit so einer ordentlichen Erkältung oder einem krippalen Infekt zu begleiten beziehungsweise irgendwie bei Laune zu halten.
00:02:10: Im neurodivagenten Kontext ist es wie so oft einfach die Schippe mehr.
00:02:16: Warum ist das so?
00:02:18: Zum einen haben wir das Körperempfinden oder diesen ganzen Bereich Körperempfinden.
00:02:24: Viele neurodivergente Kinder, zum Beispiel besonders im autistischen Bereich, haben ein sehr individuelles Körperempfinden.
00:02:32: Kälte, Wärme, Berührung, Schmerz, das läuft alles in der Regel nicht unbedingt nach neurotypischen Erwartungen.
00:02:39: Also eine leichte Berührung kann regelrecht wehtun, während so ein tatsächlicher Körperschmerz manchmal sogar vermindert wahrgenommen wird.
00:02:46: Wärme wird extrem sensibel wahrgenommen, während das Reizempfinden für Kälte zum Beispiel heruntergesetzt sein kann.
00:02:54: Auch das ist schon irgendwie auch individuell, aber in der Gemeinsamkeit einfach oft anders als das, was so im Allgemeinen an Körperempfinden und dementsprechenden Verhalten erwartet wird.
00:03:09: Neurodivergente Kinder sind sehr oft mit dem beschäftigt, was so an oder in ihrem Körper passiert.
00:03:18: Einfach zum Beispiel, weil sie es sein müssen, um sich so halbwegs in dieser Jahr eher reizintensiven und für sie eigentlich nicht so gemachten Welt zurechtzufinden und halbwegs kompetent zu merken, wie es ihnen geht und was jetzt für sie wichtig wäre.
00:03:34: Und dann kommen so Sachen wie Mama, guck mal, ich hab da so eine Stelle am Finger, was ist das, Papa?
00:03:40: Hier juckt das ganz komisch, was ist das?
00:03:41: Das ist mir zu heiß, die Hose fühlt sich eklig an, die Socke drückt.
00:03:45: Da vielleicht was im Auge?
00:03:46: hab ich was im Auge.
00:03:47: Ich hab doch eine Wimper im Auge, da peaks doch was.
00:03:50: Und ja, also das nimmt auch im täglichen Fokus viel Raum ein.
00:03:55: Dann gibt es aber auch Kinder, die haben eher ein gedämpftes Körperempfinden, wenn wir es denn irgendwie kategorisieren wollen.
00:04:02: Die nehmen zum Beispiel so Dinge wie Hunger, Durst, Handrang, kaum wahr.
00:04:08: Und haben eben auch dann kaum einen Fokus auf bestimmte Krankheitssymptome.
00:04:12: Das kann zum Beispiel im Bereich ADH ... Es vermehrt auftreten kann, muss nicht, aber ist ganz oft in diesem Kontext zu verorten.
00:04:21: Und ja, dann kommt beim Körperempfinden noch dazu, dass neurodivergente Kinder tendenziell unter so einer gewissen Grundanspannung stehen und da dann die Reiz von Krankheit obendrauf kommen und sich damit schon allein quasi aus diesem Fundament heraus anders anführen, als es vielleicht im neurotypischen Kontext der Fall ist.
00:04:42: Im alltäglichen Zustand haben jetzt viele neurodivergente Kinder irgendwie halbwegs den Weg, mit sich und im Körper gefunden.
00:04:50: Und dann kommen die Viren und die Bakterien und Würbin das Vertraute einmal so richtig auf.
00:04:55: Gliederschmerzen, Übelkeit, was gibt's noch?
00:04:57: Schüttelfrost, Baufel, Kopfweh.
00:04:59: Das alles überhaupt erst mal einzuordnen, an die richtigen Körperstellen zu sortieren.
00:05:04: Wo genau kommt denn die Sache eigentlich her?
00:05:07: Und das Ganze zu differenzieren.
00:05:09: Und es dann auch noch verständlich zu äußern, wenn man eh schon immer damit zu tun hat, den eigenen Körper irgendwie halbwegs zu lesen, ist natürlich eine enorme Herausforderung.
00:05:23: Hinzu kommt dann diese ganzen sensorischen Geschichten.
00:05:26: Husten sorgt für ein extrem unangenehmes Gefühl, dass einfach in der neurodivagenten Gefühlswelt wieder potenziert wird.
00:05:35: Denn wer eh schon sensibuläre Reizfilter hat, wird alles logischerweise auch noch mal intensiver wahrnehmen.
00:05:44: Und wer Reizee schon weniger filtert, ist potenziell in dem Grundsetting immer näher an einer Überreizung, als das beispielsweise im neurotypischen Bereich der Fall ist.
00:05:54: Und dann kommen eben noch Krankheitsreize oben drauf und schon sind wir in einer ziemlich massiven Anforderung.
00:06:02: Schnupfen sorgt zum Beispiel dafür, dass da stetig so Sekret läuft, wo es sonst eben nicht ist.
00:06:08: Und dann muss es eventuell auch noch mal vermehrt mit einem Taschentuch weggewischt werden, ein ziemlich schneller Overload.
00:06:15: Und auch so was Vertrautes wie Atmen fühlt sich ... plötzlich ganz anders an und am besten muss man plötzlich durch den Mund atmen, wo man doch sonst immer durch die Nase atmet.
00:06:24: Und da kommt ein unglaublicher Fokus drauf und es wird viel größer und viel intensiver, als wir das dann oft so vermuten.
00:06:34: Es fehlt einfach auch an Strategie und Routine, diese eben ja nicht so alltäglichen Empfindungen irgendwie einzuordnen, zu bearbeiten, zu deuten und dann eben auch noch entsprechend zu äußern.
00:06:45: Die Fähigkeit dazu nennt sich übrigens Interozeption.
00:06:50: Und also die Fähigkeit, quasi Körpersignale wahrzunehmen, einzusortieren, zu differenzieren und jemandem anders mitzuteilen oder sich selbst quasi auch mitzuteilen und dann eben eine entsprechende Handlung einzuleiten.
00:07:05: Und diese Interozeption, die ist bei neurodivergenten Kindern eben anders ausgeprägt als im neurotypischen, zum Beispiel etwas vermindert oder anders gelagert einfach.
00:07:19: Je nachdem kann es also für Eltern eine ziemliche Aufgabe sein, herauszufinden, wo eigentlich das eigene Kind grad so im Krankheitsverlauf steht.
00:07:28: Gerade im Austausch mit älter neurodivergenter Kinder ist das ein ziemlich häufiges Thema.
00:07:33: Ich kenne Kinder, die sich beim kleinsten Halskratzen auf wirklich gar nichts anderes mehr konzentrieren können.
00:07:39: Dieses plötzlich andere Körpergefühl nimmt so viel Raum ein, kommt manchmal mit so einer Panik daher und es ist nicht leicht einzuschätzen.
00:07:48: Ob das dann einfach nur der Anflug einer Erkältung ist oder ob wir quasi kurz vor Notopie stehen, das kann man in dem Verhalten, was sich auf dieses unfassbar stark wirkende andere Körpergefühl ergeben, das kann man daraus gar nicht so richtig ablesen, wenn man eben nicht ein trainiertes Elternteil ist.
00:08:07: Ebenso kenne ich Kinder, die mit Fieber und einer heftigen Brontitis weitergemacht haben.
00:08:13: als wer nix, weil sie es gar nicht so intensiv wahrgenommen haben.
00:08:17: So oder so brauchen also Eltern hier ein ziemlich gutes Hinschauen, um da richtig einschätzen zu können.
00:08:24: Wobei ich als Mutter sagen muss, dass man da irgendwie doch eine Erfahrungssicherheit bekommt.
00:08:32: Das kann ich aus unserer Warte auf jeden Fall mitgeben.
00:08:34: Man erkennt die Zeichen.
00:08:37: Die sind manchmal in kleineren Nuancen oder man weiß schon, okay, wenn das Kind jetzt zum Beispiel tendenziell eigentlich eher später ins Bett geht, viel Zeit braucht, um abends runterzukommen und dann aber plötzlich schon um sieben schläft, dann ist es eigentlich hier zum Beispiel bei einem Kind ein sehr sicheres Anzeichen dafür, dass da was ins Haus steht.
00:09:01: Sagen wir es mal so.
00:09:07: Der nächste Punkt, der ist im Grunde genommen gerade schon so ein bisschen immer mit angeklungen.
00:09:12: Für neurodivergente Kinder ist krank sein, sehr häufig auch mit einem Gefühl von Kontrollverlust verbunden.
00:09:18: Und Kontrolle und Vorhersehbarkeit ist eigentlich ein ziemlich wichtiges Sicherheitstool für neurodivergente Kinder.
00:09:26: Aber plötzlich macht die Nase, was sie will, der Körper zittert, wann er will und man das selber eigentlich nicht möchte, der Toilettengang macht irgendwie was er will.
00:09:34: Na ja, ihr wisst schon.
00:09:36: Und der Geschmacksten macht, was er will.
00:09:39: Ich glaube, es ist klar, worum es geht.
00:09:41: Das sorgt für eine deutlich empfundene Unmacht und kann so ein Kind extrem stressen.
00:09:49: Das kann Panikverwursachen.
00:09:51: Und wenn man jetzt zum Beispiel auch an den neurodivergenten Kontext PDA denkt, dazu verlinke ich euch auch nochmal die entsprechende Folge.
00:09:59: Du könntest nochmal reinhören, was das eigentlich ist.
00:10:02: Und da geht es ja darum, dass Kinder eigentlich... Konstant nach einer sehr, sehr starken Selbstwirksamkeit und einer starken Kontrolle streben.
00:10:13: Für diese Kinder ist es ein Riesenthema, dass sie keine Kontrolle mehr über das haben, was so mit ihren Körperfunktionen passiert oder dass da plötzlich die Nase läuft, ohne dass man darauf Einfluss nehmen könnte.
00:10:26: Und es gibt Kinder, nicht wenig Kinder, die das dann auch ziemlich deutlich so äußern werden.
00:10:31: Also mit Schreien, mit Wut, mit Verzweiflung, mit großen, starken, frustrierten Worten, um es mal Gelände auszudrücken, mit Tränen, Aggression, aber eben auch zum Beispiel mit kompletten Rückzug und verstummender Sprache.
00:10:42: Das kann sich sehr, sehr unterschiedlich zeigen und ja, logischerweise für alle auch sehr, sehr herausfordernd sein.
00:10:49: Ganz wichtig, auch wenn es schwer fällt, auch wenn wir selber ... Wenn das Kind krank ist ohnehin schon, aber in diesem Zusammenhang da noch mal mehr in so einer gewissen Alarmhaltung sind, ist es wichtig, dass wir versuchen, Verständnis aufzubringen.
00:11:06: Das Kind stellt sich nicht an, das Kind dramatisiert hin nichts.
00:11:10: Das Kind erlebt innerlich exakt die Krise, die es nach außen kundtut.
00:11:16: Auch wenn wir vielleicht bei einem Schnupfen ... in der Gefährlichkeit und in der Bedrohung einen anderen Maßstab ansetzen würden.
00:11:26: Aber es ist wichtig, dass wir verstehen, dass Kind erlebt ist, genauso wie es das nach außen hin zeigt.
00:11:35: Da gibt es schon eine klare Verbindung.
00:11:39: Jetzt kommt erschwerend ein weiterer Punkt hinzu, wenn ein Kind einfach stärker erkrankt ist, ein stärkeren Infekt hat, eine starke Erkältung, Magendam usw.
00:11:50: Und zwar, dass die Alltagsspur und die Routine wegfällt.
00:11:56: Mit dem Kranksein bricht einfach ganz, ganz oft der gewöhnliche Alltag weg.
00:12:02: Man kann zum Beispiel nicht zur Schule gehen oder nicht in den Kindergarten.
00:12:05: Man kann nicht zum Sport, der einen bestimmten Tag in der Woche ist oder einem anderen Hobby nachgehen.
00:12:10: Man hat oft keine Bewegung.
00:12:12: Es gibt eben ganz oft auch nicht das... Das so gespürte Körperbedürfnis nach Bewegung.
00:12:18: Nichtsdestotrotz ist er ja gerade beim krankseilen überreizter Körper, der nicht auf eine seine Hauptstrategien und Regulierungsstrategien zurückgreifen kann, nämlich Bewegung.
00:12:28: Es gibt keine festen Einschlafrittum alle mehr.
00:12:30: Es gibt oft keine... gewöhnliche Einschlafzeit mehr.
00:12:33: Auch das ist alles sehr verschoben.
00:12:35: Das Essen, das für viele Kinder ja auch Sicherheit bedeutet, gerade im autistischen Bereich, wenn wir so beim Kampfford-Food sind, das schmeckt plötzlich anders als sonst und fühlt sich anders an.
00:12:46: Und ich kann vielleicht auch nicht mehr an meinem vertrauten Ort essen, sondern bin irgendwie sehr an dieses Bett gebunden, beispielsweise oder die Couch oder wie auch immer, ihr das zu Hause gestaltet und und und.
00:12:59: Das ist natürlich eine sehr unschöne Kombi, denn gerade da, wo ja ohnehin jetzt eine Extremsituation vorherrscht, nämlich dieses andere Körperempfinden, dieses Kranksein, dann noch die haltgebenden Routinen zu verlieren, ist natürlich eine zusätzliche Belastung.
00:13:14: Und darum gilt als grundlegende Berichtung sozusagen, wenn wir kranke neurodivergente Kinder begleiten, beibehalten, was an Rhythmus geht.
00:13:24: Und ansonsten ist einfach alles erlaubt, was irgendwie Sicherheit gibt, was irgendwie das Wohlbefinden steigert.
00:13:31: Irgendwie Wohlfühlkleidung, Wohlfühlessen, wenn das eben so geschmackstechnisch und so weiter geht, die Lieblingsserien laufen lassen, auch wenn das Kind fünfmal hintereinander die gleiche Folge sehen will, um irgendwo ein Stück weit eine Kontrolle wieder zu erlangen.
00:13:47: die ihm in diesem Kranksein fehlt, Nähe geben, wo es gebraucht wird.
00:13:51: Ich glaub, das ist jetzt auch in jedem Kontext irgendwie.
00:13:54: so eine Richtung oder eben auch Rückzug gewähren, da wo das gefordert wird, dann irgendwie Reize runter soweit, wie irgendwie möglich Räume abdunkeln, einen Beruhigungsduft, falls ein Kind irgendwie sehr auf einen Duft geprägt ist, wenn das zum Beispiel der Fall ist, Gewichte oder eben weniger Gewichte, kühlende Dinge, die Decke kurz mal draußen auslüften und dann wieder damit zudecken, das kann als sehr angenehm empfunden werden.
00:14:20: Wie gesagt, das gilt eigentlich wahrscheinlich für alle Kinder, dass man oder auch für unsere Erwachsene, Menschen, dass wir natürlich gucken, dass, wenn wir uns irgendwie eh schon nicht so gut fühlen, dass wir irgendwie an anderer Stelle schauen, uns irgendwie etwas Gutes zu tun.
00:14:35: Und das ist immer hilfreich.
00:14:37: Und hier ist es aber wirklich ein ganz, ganz zusätzlich wichtiger Ankerpunkt.
00:14:44: zusätzlich Anforderungen von außen, soweit runter wie irgendwie möglich, dann wird halt ein, zwei Tage höchstens eine Katzenwäsche gemacht, höchstens soweit mit diesen herausfordernden Körperhygienesachen gearbeitet, wie das irgendwie minimal notwendig ist, sag ich mal, und dann aber nicht groß.
00:15:06: eine weitere Anforderung draufgepackt, die man vielleicht einfach mal vor ein, zwei Tagen etwas lockerer angehen kann.
00:15:19: Ein ganz, ganz, ganz knackiger Punkt im Thema Kranksein und Neurodivergenz ist das Thema Medikamente.
00:15:29: Ich glaube auch das ist für viele Eltern ein Thema.
00:15:31: Auch neurotypische Kinder nehmen nicht zwangsweise ein Medikament gerne.
00:15:37: Aber auch hier sind wir wieder bei einer sensorischen Herausforderung oder bei einer gewissen, es gibt einfach eine gewisse Häufung an ausgewählten S-Verhalten im neurodivagenten Kontext.
00:15:47: Es tritt da einfach viel häufiger auf als im neurotypischen.
00:15:50: Das wirkt sich natürlich auch auf dem Bereich Medikamente aus und damit ist es wie in so vielen Fällen einfach wieder mal ein Spürchen mehr, ein Level mehr, was hier ... Ja, zutage tritt.
00:16:05: Ganz wichtig, wenn wir mit dem Kind über Medikamente sprechen und sollten unbedingt tun, dann sollten wir das ehrlich tun.
00:16:12: Keine falschen Versprechen.
00:16:14: Nichts in Richtung, ach, das schmeckst du kaum oder das schmeckt doch lecker.
00:16:17: Guck mal, hier steht Erdbeere drauf, sondern wirklich möglichst nah, man kann halt durchaus deeskaliert, aber nah an der Wahrheit bleiben, um einfach das Vertrauensverhältnis zu wahren und dann eher darüber sprechen.
00:16:32: Das könnte jetzt unangenehm sein.
00:16:34: Ich könnte mir vorstellen, dass das nicht dein Lieblingsgeschmack ist.
00:16:37: Dass es nicht so einfach wird, das zu nehmen, aber wir gucken jetzt, wie du das schaffst.
00:16:42: Als ich da auf jeden Fall versprechen kann, ist das dieser Moment nur ganz, ganz kurz dauert.
00:16:50: Und dann gibt es verschiedenste Möglichkeiten.
00:16:52: Ich kann zum Beispiel das Kampferdkuscheltier, falls es das gibt, zur Hilfe nehmen und dann bekommt erst mal das ein bisschen Medizin.
00:17:01: Oder es wird ganz doll gedrückt.
00:17:02: Ich kann Gegenstände mit in die Hand geben, die gedrückt werden können.
00:17:07: Druck und Drücken hilft in der Regel.
00:17:09: Irgendwas dabei sehr, sehr stark festhalten.
00:17:12: Manche Kinder schaffen diesen Moment, den ich ja als kurz gesetzt habe.
00:17:16: Also gesagt habe ich, das ist zum Glück recht schnell geschafft.
00:17:20: Besser, wenn man einmal in den Moment hineinzählt, weil das den Übergang etwas leichter macht.
00:17:26: Und dann eben auch sagt, okay, wir machen das so schnell, dass wir das in fünf Sekunden schaffen.
00:17:32: Probieren wir es in fünf Sekunden, vielleicht sogar ein kleines Challenge draus machen, ist mit meinem ADHS-Bereich.
00:17:37: Ein kleiner Trick muss man ausprobieren.
00:17:39: Also da irgendwie mit einem Countdown zu arbeiten, vielleicht auch ein bisschen spielerisch, wie so ein bisschen Raketenstart oder so etwas, das kann helfen, alles, was so in diese Richtung geht und das Ganze irgendwie ein bisschen zugänglicher macht, ist.
00:17:56: Erlaubt und hilfreich.
00:17:58: Dann kann man wirklich mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, dass wenn möglich auf der Blätten zurückgegriffen wird, die sich sehr, sehr klein mörsern lassen, die vielleicht im Gegenteil gar nicht so sehr dieses ganze Erdbeer, Orange weiß ich nicht, was Geschmack haben, sondern vielleicht möglichst neutral schmecken.
00:18:16: wenn möglich, das muss man besprechen.
00:18:18: Und wenn die sich so klein mörsern lassen, dass man die einfach gut in den Lieblingsjuro drühren kann, zum Beispiel, das muss man natürlich unbedingt immer absprechen, ärztlich.
00:18:28: dass möglich ist, ob das geht, ob es nicht irgendwelche Wechselwirkungen gibt oder so.
00:18:33: Das ist ja manchmal so, dass bei bestimmten Medikamenten eben nicht das Ganze mit bestimmten Lebensmitteln zusammengehen darf.
00:18:39: Das muss man erfragen.
00:18:41: Aber auf jeden Fall haben wir schon in unserer längeren Zeit als Eltern immer wieder auch Medikamente gehabt, die man oder fast überwiegend Medikamente, die man gut mit dem Lebensmittel, mit dem Komfort-Lebensmittel einnehmen konnte und die man entweder sehr doll zerkleinern konnte.
00:18:57: oder auch bei Kapseln zum Schlucken, kann man die öffnen.
00:19:03: Und dann das, was da drin ist, das kann dann in den Lieblingssaftwaren auch das bitte ärztlich unbedingt absprechen, ob das bei dem jeweiligen Präparat der Fall ist.
00:19:11: Aber wir hatten schon solche Präparate und auch das war hilfreich.
00:19:15: Manche Kinder tun sich überhaupt leichter, eher mit Saft zu arbeiten als mit Tabletten.
00:19:20: Bei uns ist es tatsächlich nicht so, sondern eher dieses in den Lieblingsjoghurtrühren.
00:19:26: Dann ist es nämlich so ein absehbarer Löffel.
00:19:28: Löffel haben Kinder so ungefähr, Kinder haben ungefähr eine Idee davon, wie viel so ein Löffel im Mund ist.
00:19:35: Und dann klappt das bei uns ganz gut.
00:19:38: Aber wie gesagt, auch Saft kann eine Möglichkeit sein, die man vielleicht auch mit einem Lieblingsgetränk dann mischen kann.
00:19:43: Und dann kann man das Ganze mit einem Strohhalm trinken.
00:19:47: Dann ist dieser Schluckweg direkter, verteilt sich nicht so im Mund.
00:19:50: Man kann das viel direkter schlucken und schmeckt nicht ganz so viel, als wenn man das zum Beispiel mit einem Löffel in den Mund.
00:19:56: Im Löffel ist sowieso auch wieder sein sensorischen Anforderung, weil breit, weil viel im Mund ist, je nachdem, wie da geformt ist.
00:20:01: Naja.
00:20:02: noch die Vagente oder Eltern, die noch die Vagente Kinder begleiten können, das Löffeltema vielleicht oder überhaupt das Thema Besteck.
00:20:12: Wenn ein Medikament gekühlt werden darf, ist auch das noch mal eine Strategie, denn gekühlt ist, ist oft geschmacklich etwas gedämpfter, kann also auch noch mal helfen.
00:20:21: Und dann fahrt alles auf, was an Ablenkung klappen könnte und was nötig ist.
00:20:29: Lieblingsserie an, gerne kleine Belohnungen aus sich.
00:20:32: stellen und wenn es irgendwie die Lieblingssüßigkeit ist, die schon daneben liegt.
00:20:36: Ich bin ja sonst wirklich wirklich sehr achtsam mit dem Thema Belohnungen, aber es gibt absolute Situationen im Leben.
00:20:43: Da sind die die Sache wert, sagen wir es so.
00:20:50: Das Lieblingsessen parat stellen, dass man danach sofort in den Mund nehmen kann, um den Geschmack von einem Medikament zu überdecken.
00:20:58: Ich zum Beispiel kann bis heute schwer bestimmte Medikamente nehmen.
00:21:01: Ich muss oder musste in der Vergangenheit regelmäßig ein bestimmtes Saft nehmen.
00:21:05: Da wird mir wirklich sehr, also er wird mir richtig schlecht bei dem Gedanken.
00:21:10: Es gibt aber einfach kein Weg dran vorbei und da hilft es mir meine Nase ganz fest zuzuhalten.
00:21:15: Dann schmeckt man wirklich nichts, aber die ganz doll komplett zuhält.
00:21:19: Dann schlucke ich das.
00:21:21: Danach nehme ich entweder sofort, je nachdem, wo ich den nehmen musste, sofort irgendwie meine Lieblingsschokolade in den Mund.
00:21:28: Bei Schokolade mag ich nicht, also meine Lieblingssüßigkeit in den Mund.
00:21:31: Ich halte mir dabei weiter die Nase zu, zerkau das im Mund, lass das richtig im Mund zagehen, schlug das runter und erst dann traue ich mich irgendwann quasi die Nase wieder auf zu machen.
00:21:42: Dann habe ich aber vor allem, also es ist trotzdem irgendwie unangenehm und der Gedanke, dass ich das gerade geschluckt habe, ist auch schon so leicht übelkeit verursacht, aber es ist... zu händeln für mich, weil ich vorrangig vor allen Dingen sofort diesen anderen Geschmack meiner Lieblingssüchtigkeit im Mund habe.
00:21:58: Und auch eine Möglichkeit ist danach sofort die Zähne zu putzen.
00:22:02: Jetzt ist natürlich Zähne putzen nochmal so eine sensorische Anforderung.
00:22:05: Zum Beispiel muss man gucken, ob das passt.
00:22:08: Aber das mache ich dann auch.
00:22:09: Also ich nehme das, Nase zuhalten die ganze Zeit, Zähne putzen, putzen, putzen, putzen, putzen, spülen, spülen, spülen, alles mit Nase zu, das geht.
00:22:17: Und dann ausspucken und dann geht's wieder.
00:22:19: Das ist jetzt wahrscheinlich für kleinere Kinder noch nicht so der Weg und vielleicht etwas schwierig, aber ich würde sagen so ab Grundschule jüngeres Teeniealte habe ich das so gemacht, seitdem mache ich das so.
00:22:31: Und auch ganz wichtig, eine Medikamentengabe kann wirklich für alle Beteiligten ein riesiger Kraftakt sein.
00:22:42: Schaut also auch selbst, wie ihr danach kurz wieder zur Kriften kommt, kurz mal durchatmen könnt, wenn irgendwie möglich.
00:22:52: Ich kenne auch die Möglichkeit... ein Zäpfchen zu geben.
00:22:57: Wenn das Kind schläft zum Beispiel, besprecht euch wirklich ganz offen und ehrlich mit der kinderärztlichen Praxis.
00:23:06: Ich weiß, die Begleitung kann da sehr unterschiedlich aussehen, aber also einerseits natürlich sowieso, um euch ja von so abzusichern, wenn ihr da irgendwie was mit irgendeinem Lebensmittel nehmen wollt, aber eben auch, um mal zu besprechen, okay, das ist hier das Ding.
00:23:20: In welcher Form haben wir eigentlich die größten Chancen?
00:23:22: Und auch das ist eine Möglichkeit mit einem Zäpfchen.
00:23:25: zu arbeiten, wenn das Kind schläft, im Halbschlaf ist und das sowieso vielleicht nicht ganz so intensiv mitkriegt.
00:23:30: Also alles, was irgendwie hilft, ist erlaubt.
00:23:35: Habt ihr da vielleicht noch Tricks?
00:23:37: Dann bitte unbedingt ab damit in die Kommentare.
00:23:42: ein Thema, das damit eng verknüpft ist, der Besuch in der kinderärztlichen Praxis.
00:23:48: Dazu kommt aber eine eigene Folge, deswegen lasse ich das jetzt hier mal aus.
00:23:53: Jetzt ging es eher so um die Begleitung zu Hause und das kinderärztliche Thema.
00:23:58: Das kommt einmal ganz ausführlich und das kommt auch bald.
00:24:02: Deswegen werden wir diese Folge an dieser Stelle einmal beenden.
00:24:05: Wir wissen jetzt also, warum es für neurodivergente Kinder so viel intensiver sein kann, krank zu sein, wie viel das auch mit Kontrollverlust zu tun hat und dass das nicht einfach Drama machen, sondern Drama erleben ist.
00:24:21: Wir wissen, was wir so ein bisschen unterstützen tun können, wie wir Routinen möglichst beibehalten.
00:24:26: Auf der anderen Seite Anforderungen, Runterschrauben, auch gerade was so Baden und all diese Dinge angeht, mal kurz ein bisschen runter.
00:24:34: Wirklich nur das Nötigste, wie wir sonst einfach für möglichstes Wohlbefinden sorgen können, soweit, wie das eben irgendwie möglich ist.
00:24:46: Und wir haben ausführlich über Medikamente gesprochen.
00:24:49: Wirklich am Schluss noch mal den Appell in Elternrichtung, wenn möglich.
00:24:53: Und ihr nicht völlig allein seid in der Erziehungs- und Begleitungsaufgabe, dann versucht euch gut abzuwechseln.
00:25:02: Das ist eine große Aufgabe.
00:25:04: Schaut, dass immer einer von euch gut mal kurz zu greifen kommen kann, auch mal kurz durchauten kann, kurz mal frische Luft schnappen kann.
00:25:13: Ich weiß, dass es nicht immer möglich, aber trotzdem irgendwie gucken und wenn es nur im Kleinen ist, wie ihr auch irgendwie da kurze kleine Momente Auszeit bekommen könnt.
00:25:28: Wenn ihr noch Tipps zu Medikamenten und Co.
00:25:30: habt oder auch zur Begleitung in so einer Krankheitsphase, dann wie gesagt unbedingt ab damit in die Kommentare.
00:25:38: Davon können wir, glaube ich, alle profitieren.
00:25:40: Und dann wünsche ich uns allen, dass wir halbwegs glimpflich durch die Zeit kommen, bis dahin.
00:25:47: Und zu guter Letzt natürlich noch ein herzliches Dankeschön an Jakob Jensch und VoiceUp Productions für die Bearbeitung und die Produktion dieser Folge.
00:25:58: Ein Kopf voll Gold.
00:26:00: Was Neurodivagente Kinder brauchen und wie wir sie stärken können.
00:26:06: Ein Kopf voll Gold.
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