46. „Angepasste“ Kinder - Warum wir sie regelmäßig fragen sollten, wie es ihnen eigentlich geht
Shownotes
Konfliktpädagoge Raphael Kirsch und ich sprechen in dieser Folge mal über die Kinder, die eben sonst gar nicht so sehr im Rampenlicht stehen. Die Ruhigen, die „angepassten“, die, denen es immer gut geht.
Oder doch nicht? Wie viel davon ist Charakter? Wie viel doch Maske? Wie leisten wir da Beziehungsarbeit und wann? Wie können wir für diese Kinder gute Lehrkräfte sein? Wir drehen dabei auch ein paar weitere methodische und pädagogische Themenschleifen. Dadurch ist diese Folge wirklich bis zum Rand gefüllt mit Impulsen und Ideen und jeder Menge Haltung.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Und dann gibt es dann noch die Kinder, die uns das Lehrkraftleben ein bisschen leichter machen.
00:00:05: Die sind immer da, die holen gern die vergessenen Kopien aus dem Lehrkräftezimmer, die verleihen ihren Bleistift, machen keinen Protest, wenn sie jetzt ausgleich neben das motorisch unruhigelaute Kind gesetzt werden.
00:00:17: Sie sind die Ersten im Sitzkreis und die Letzten im Klassenzimmer, weil sie eben nur noch die Pflanzen pießen wollen.
00:00:23: Und auf die, auf die schaut ihr bitte besonders.
00:00:27: So oder so ungefähr stellte Konfliktpädagoge und Geschäftsführer von einfach Krisen fest, Raphael Kirsch, mir und mein Kolleginnen diesen Kindertyp mal bei einer Fortbildung vor.
00:00:39: Und das hat mich bis heute nachhaltig beeindruckt und auch geprägt.
00:00:45: Und genau über diese Kinder wollen wir nämlich heute sprechen.
00:00:49: Die stillen, die zurückhaltenden, die angepassten, die immer da sind.
00:00:58: Ein Kopf voll Gold.
00:01:00: Was neurodivagente Kinder brauchen und wie wir sie stärken können.
00:01:06: Ein Kopf voll Gold.
00:01:09: Lieber Raphael, da sind diese Kinder, die uns das Lehrkraftleben leichter machen.
00:01:14: Die sind immer da.
00:01:16: Ist doch klasse, oder?
00:01:17: Eigentlich schon,
00:01:18: oder?
00:01:18: Sollte man meinen, ne?
00:01:19: Und ich weiß ja von deiner Fortbildung, dass da doch vielleicht ein kleiner Haken sein kann.
00:01:26: Warum genau sollten wir auf diese Kinder ganz besonders schauen?
00:01:29: Den scheitest du eigentlich ziemlich gut zu gehen.
00:01:32: Ja, den geht es halt augenscheinlich total gut.
00:01:34: Die sind angepasst, die sind lieb, die lächeln dich freundlich an.
00:01:37: Als Lehrkraft freust du dich auf die.
00:01:39: Ich möchte ganz viel Werbung dafür machen, ganz besonders auf die zu achten.
00:01:43: Das hat zwei gute Gründe.
00:01:44: Also Grund Nummer eins ist, die, die plakativ sind, die, die laut sind, die über Tische und Bänke gehen, brauchen ja nicht so viel, um gesehen zu werden.
00:01:52: Also es ist total wichtig, dass wir die sehen und dass wir auch die gut im Blick behalten.
00:01:56: Die sorgen aber dafür, dass wir das tun.
00:01:58: Und dann haben wir einen guten Blick drauf.
00:02:00: und dann setzen wir uns manchmal als Lehrkraft oder als Pädagogin oder Pädagoge oder auch als Eltern irgendwie zu Hause hin abends an Schreibtisch und überlegen.
00:02:08: haben eine Idee, was wir machen wollen und recherchieren.
00:02:10: Und mit all den Gedanken schleifen, die du dann über diese herausfordernden Kinder drehst, geraten die aber nur noch mehr in den Fokus.
00:02:17: Man nennt das ja so ein bisschen den Priming-Effekt.
00:02:19: Das heißt, dass somit du dich mehr beschäftigst, kommt auch mehr in deine Wahrnehmung.
00:02:22: Und genau deswegen habe ich mal den Ansatz verfolgt.
00:02:25: Lass uns doch mal auf die gucken, die wir dadurch so ein bisschen aus dem Blick verlieren.
00:02:30: Behaupte so ganz plakativ, die lieben und angepassten Kinder sind die Letzten, die wir fragen würden, sag mal, wie geht's dir eigentlich?
00:02:36: Du lächelst mich den ganzen Tag an.
00:02:38: und wie sieht's im Herz aus?
00:02:40: So, was macht deine Gefühlslage gerade?
00:02:42: Ist alles zu Hause in Ordnung?
00:02:43: Ist alles schön?
00:02:44: So, die fragen wir nicht, weil wir davon ausgehen, dass das irgendwie alles in Ordnung ist.
00:02:47: Und ich sag jetzt, wir gehen davon aus nicht, weil wir den das Böse unterstellen oder weil wir das nicht sehen wollen, sondern weil es im Alltag einfach passiert.
00:02:55: Und der zweite Grund, ich weiß nicht, wie groß du die Schleife haben möchtest.
00:02:59: Immer auch für große Schleife zu haben.
00:03:00: Immer,
00:03:01: immer große Schleife.
00:03:02: Also der zweite Grund ist ja mein pädagogischer Background.
00:03:04: Ich habe so viele Jahre, fast fünfzehn Jahre in Kinder- und Jugendpsychiatrie gearbeitet.
00:03:09: So da draußen in der Welt haben viele eine Idee, wie es in so einer Psychiatrie aussieht, was da so passiert, was da abgeht.
00:03:17: vor allem welche Kinder und Jugendlichen da sind und man denkt einfach super schnell an die Lauten, an die Aggressiven, an die Selbstverletzenden und alle möglichen.
00:03:24: Alles was so explorativ ist, was aber auch Teil der Realität ist und zur Wahrheit gehört ist, dass wirklich ganz viele von den jungen Patientinnen und Patienten, die alle Hilfe suchen, sich irgendwann in dieses System mit mehr oder weniger Druck mal verirren, ist, dass das eben die lieben und angepassten sind.
00:03:43: Das sind alles Menschen oder vornehmlich ganz viele Menschen, die jahrelang gelernt haben, erstmal für andere gut zu sein, bevor man sich auf sich achtet.
00:03:50: So, und dann kommen die irgendwann in die Pubertät und... kommen dann das erste Mal auf die Idee, nee, jetzt kümmert sich die Welt mal um mich.
00:03:57: Und dann kommen die manchmal auf blöde Gedanken.
00:03:59: Bei Jungs wird's groß und wild und Abenteuer und rauchen, saufen, drogen, Alkohol, alles was dazugehört in der Pubertät und klauen und gemein sein und sich positionieren.
00:04:09: Bei Mädchen geht's nach innen.
00:04:11: Die haben das erste Mal Angst vor Dingen, vor denen man keine Angst haben müsste.
00:04:14: Die gucken das mit elf Jahren das erste Mal an sich runter und überlegen, ob das kleine Hüftspeckchen da nicht zu viel ist, weil jemand mal gesagt hat, oh, da könnte aber zu viel sein.
00:04:22: Also, das sind die zwei Gründe, warum ich glaube, dass wir einen riesengroßen Auftrag damit haben, die nicht aus dem Blick zu verlieren.
00:04:29: Du hast gerade gesagt, das sind oft die letzten, die wir fragen, hey, wie geht's dir eigentlich?
00:04:34: Ich gehe davon aus, dass du diese Kinder in deinem Pädagogik-Kontext und auch vielleicht später, als sie dir dann da ... im Kontext Kinder- und Jugendpsychiatrie begegnet sind, dass du dir das gefragt hast.
00:04:44: Weißt du noch, was die Antworten waren?
00:04:46: Wie es denen geht?
00:04:47: Den geht es immer gut.
00:04:48: Wie es ihnen früher ging?
00:04:49: Den
00:04:49: geht es immer gut.
00:04:50: Egal, wann du die fragst, den geht es immer gut.
00:04:52: Alles ist immer schön, der Urlaub war toll und ich habe das und das geschenkt bekommen.
00:04:55: Mit Papa mache ich heute das und das ist es immer alles schön.
00:04:58: Das, was es dann manchmal braucht, ist jemand, der das bezweifelt.
00:05:02: Also liebevoll, für diesen Menschen einfach mal zweifeln, ob das so richtig ist.
00:05:07: Das macht so viel auf.
00:05:08: Also mein Denken hat das so massiv verändert, dass ich erst mal davon ausgehe.
00:05:12: Eigentlich will ich dir glauben, aber irgendwie tue ich jetzt auch mal so, als würde ich dir nicht glauben.
00:05:15: und ich frage noch mal nach.
00:05:17: Wie machst du das dann?
00:05:18: Was fragst du denn?
00:05:18: Naja, also wenn ich in der ersten Instanz frage, so wie geht's dir heute?
00:05:21: Und jemand dann sagt, ja, alles schön.
00:05:23: Okay, glaub ich dir, gab's irgendwas, was nicht gut war?
00:05:26: Irgendwas?
00:05:28: Kleinigkeit?
00:05:29: Also bei mir läuft ja nie alles gut, überhaupt nicht.
00:05:32: Also ich versuche dann manchmal die Position von mir mit reinzubringen.
00:05:36: Meine Perspektive, ich mach mich ja kleiner als ich immer sein will.
00:05:39: Das mache ich auf Fortblumen ja auch immer.
00:05:41: Ich sage ja auch als allererster, ich bin nicht eine Sekunde besser als jeder andere, der hier gerade sitzt.
00:05:45: Spätestens bei meinen eigenen Kindern ist mein Expertenstatus für den Arsch.
00:05:49: So, das heißt, ich versuch mich... Das bin
00:05:53: ich doch irgendwann
00:05:54: her.
00:05:54: Ja, das ist doch vollkommen normal und das ist die Realität.
00:05:56: Und manchmal brauchen diese Kinder einfach einen kleinen Schnups-Realität, dass sie sehen, hey, der Raffel, dem geht's auch nicht immer gut.
00:06:02: Und wenn ich denen das erzählen kann, dann sagen die, ja, also wenn du so fragst, boah, letzte Woche hat Papa mich richtig genervt, weil ich das Haustier sauber machen musste.
00:06:12: Und das fand du doof.
00:06:13: Ja, so.
00:06:14: Und dann kannst du dich langsam einfach auch mal den Themen nähern, die irgendwie gar nicht so gut sind.
00:06:19: Und das Gute in Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ja vielleicht... Anders als Schule, was hier ein superenges und herausforderndes System ist, durch diese Struktur, die es da gibt.
00:06:28: Wir haben in Kinder- und Jugendsturchartrie einfach viel mehr Zeit gehabt.
00:06:30: Ich habe vielen solchen Dundendienste gemacht.
00:06:32: Ich bin mit denen aufgestanden.
00:06:34: Ich bin mit denen zum Morgenspaziergang gegangen.
00:06:35: Ich bin dann mit denen zum ... Habt ihr zu Schule begleitet?
00:06:38: Habt ihr von der Schule abgeholt?
00:06:40: Dann sind wir Mittagessen gegangen.
00:06:41: Dann haben wir draußen eine coole Aktivität gemacht.
00:06:42: In der geschlossenen Kinder- und Jugendsturchartrie ist ja auch Bogen schießen und solche Klamotten.
00:06:46: Also alles das, was man nicht so erwartet.
00:06:48: Und dann kriegt das ... Unfassbar schnell, innerhalb von vierzehn Tagen eine ganz familiären Charakter und die meisten Patientinnen und Patienten sind ja irgendwann traurig, wenn sie gehen müssen.
00:06:59: So, und dann hast du einfach Chance, Beziehungsarbeit zu leisten.
00:07:03: und vielleicht ist das ja nochmal ein Punkt, ich durfte die Erfahrung machen, wie wichtig Beziehungsarbeit ist.
00:07:13: und dass ich nur, wenn ich Beziehungsarbeit geleistet habe, wenn ich bereit war, meinen eigenen Plan ein bisschen hinten rüberzuwerfen, weil ich dachte, nee, wir müssen jetzt zum Sport.
00:07:22: Da hat sich aber jemand auf den Boden geworfen und wollte nicht.
00:07:25: Das hat gesagt, okay, weißt du was, dann gucke ich jetzt erst mal.
00:07:27: Was brauchst du denn eigentlich?
00:07:28: Ich bin für dich da, finde ich doof.
00:07:30: Vielleicht können wir ja trotzdem gehen, ne?
00:07:32: Das ist wichtig.
00:07:33: Vielleicht können wir ja trotzdem gehen, obwohl es dir nicht gut geht, weil Alltag Leben wichtig ist.
00:07:37: Also ich durfte die Erfahrung machen, wie wichtig Beziehungsarbeit ist.
00:07:39: und gerade für die, bei dem man denkt, Ja.
00:07:42: Da ist die Beziehung noch top.
00:07:43: Das Feld hast du schon mal sehr, sehr gut aufgemacht, würde ich sagen.
00:07:46: Jetzt ist ja sofort, also ich denke mich jetzt mit dieser Aussage so ein Fortbildungskontext hinein und könnte fast sicher sagen, ja, du hattest ja auch die Zeit dafür.
00:07:58: Wann soll ich das machen?
00:08:00: und hey, warte mal, ich bin doch Lehrkraft.
00:08:03: Da will ich dabei einem Kind ein Ventil öffnen, wo ich gar keine Ahnung habe, was da.
00:08:07: hinterher alles mitkommt, wenn da mal so das kleine Stückchen offen ist.
00:08:11: Und ich finde, das ist ja tatsächlich auch ein wichtiger Punkt, sozusagen wirklich zu schauen, okay, wie weit darf ich denn da eigentlich nachbohren?
00:08:18: Wie weit macht das Sinn, dass ich danach bohre?
00:08:21: Welche Verantwortung habe ich da in diese Richtung?
00:08:24: Aber diese zwei Punkte sehe ich sofort, wenn dieser Satz auf eine Fortbildung fallen würde.
00:08:29: Hä?
00:08:29: Ja, und wann soll ich das machen?
00:08:32: Und ist das überhaupt meine Aufgabe?
00:08:35: Hier kurz das Spoiler, ich habe ja mal ein Buch geschrieben, das heißt Beziehungsarbeit.
00:08:38: Schön, aber wann denn?
00:08:41: Es ist ja genau die Frage, die irgendwann immer kommt.
00:08:44: Ja toll, du hattest ja die Zeit und ich habe ja gar keine Zeit, Beziehungsarbeit zu machen.
00:08:48: Und auch an der Stelle würde ich gerne einfach mal eine andere Perspektive reinbringen.
00:08:52: Für viele Menschen und gerade für Lehrkräfte und ich meine das nicht böse überhaupt nicht, weil ich weiß, woher diese Gedanken alle kommen.
00:09:01: So, erstens, weil du es nicht gelernt hast und zweitens, weil du in ein System reingeflutscht bist, was dir auch irgendwie vorlebt, dass Unterricht das Wichtigste ist.
00:09:08: Also niemand muss sich jetzt auf den Schlips getreten für in dieser Stelle.
00:09:12: Für viele Menschen bedeutet Beziehungsarbeit.
00:09:14: So im Ersten erleben, wenn ich sage, du musst das machen, etwas von einem Tool, was man irgendwo integrieren muss.
00:09:21: Das hat sowas von eine Stunde Beziehungsarbeit.
00:09:24: Als wäre das irgendwas, was man in den Unterricht integrieren muss, als wäre das irgendwie eine planbare Stunde.
00:09:30: als müsste man sich dabei Edukey irgendwelche Materialien für runterladen.
00:09:34: und dann ist Beziehungsarbeit fünfzehn Minuten im Morgenkreis über Freundschaft reden, sondern habe ich Beziehungsarbeit gemacht.
00:09:40: Ja, also noch mal, ich verstehe, woher die Gedanken kommen und ich verstehe, woher auch bei vielen Menschen der Glaube kommt, dass Unterricht wichtig ist.
00:09:51: Nicht, weil er unwichtig ist, sondern da gibt es einfach eine differenzierte Wahrnehmung drauf.
00:09:56: Aber Beziehungsarbeit ist eben nicht genau das, es ist kein Tool, es ist keine Unterrichtsstunde, es ist nicht im Morgengreis irgendwie zusammensitzen, es ist kein Briefkasten, Kummerkasten aufstellen, sondern es ist morgens mit einem Lächeln über den Flur gehen.
00:10:09: Punkt.
00:10:10: Guck mal, wie viel Menschen grumpy jeden Tag an dir vorbeilaufen, mit denen du keinen Bock hast, irgendwie irgendeine Interaktion zu machen.
00:10:18: Wir als Pädagoginnen und Pädagogen, und da bin ich sehr klar, haben die Verantwortung, eine Tür zu öffnen, durch die Kinder durchgehen dürfen.
00:10:26: Das heißt, wir haben die Verantwortung, die Einladung dazu zu machen.
00:10:30: Und wie soll das gehen, wenn du unfreundlich über den Flur rennst und ne Fresse ziehst?
00:10:34: So auf ganz Deutsch, ne?
00:10:35: Guck mal, so ein Roper, dich darf das.
00:10:37: Absolut.
00:10:37: Es ist morgens mit nem fröhlichen Lächeln in die Schule gehen oder in die Kita oder woch immer du arbeitest.
00:10:43: Ähm, gilt aber auch für Eltern, ne?
00:10:45: Das heißt, wenn du morgens aufstehst, ist das Erste, was du zu tun hast, deine Kinder anlächeln.
00:10:49: Vorher passiert mal gar nichts.
00:10:51: Wenn du über den Flur läufst und dir kommt ein Kind entgegen, dann hast du die Hand aus zur Strecke und High Five abzuholen.
00:10:57: Es ist einen guten Morgen.
00:10:59: Sag mal einem Kind, bei dem es dir echt schwerfällt, dich auf dieses Kind zu freuen, weil das gehört ja auch zur Realität, sag dem mal, weißt du was auf dich, habe ich mich heute gefreut.
00:11:08: Guck mal, was in den Augen dieses Kindes passiert, weil du bist ja wahrscheinlich der erste Erwachsene, der das jemals zu diesem Kind sagt.
00:11:14: Also Beziehungsarbeit ist nichts Großes.
00:11:16: Es sind eigentlich die kleinen Dinge, die zwischendrin passieren, die dir nicht eine Sekunde Zeit von deinem Unterricht klauen.
00:11:22: Bin ich ganz fest von überzeugt, die dir aber hinterher viel mehr Zeit wieder schenken.
00:11:28: Also jede Minute, die du in Beziehungsarbeit investierst, die bekommst du hinterher immer zurück, das Blöde ist.
00:11:35: Wir Menschen sind ja so auf Kurzfristigkeit gepolt.
00:11:37: Gerade in Zeiten von Social Media.
00:11:39: eine schnelle Erfolg, schnell Dopamin.
00:11:41: Ich will sehen, dass das was bringt, was ich gerade tue.
00:11:44: Beziehungsarbeit ist ein Marathon.
00:11:46: Das ist kein Sprint.
00:11:47: Das heißt, wenn du... Mit einer ersten Klasse starte es, dann erwarte nicht, dass am Ende der ersten Klasse die Beziehung top ist, sondern du wirst in der vierten Klasse merken, dass sich das alles in den ersten zwei Jahren gelohnt hat.
00:11:57: Manchmal haben wir das Glück, dass man es schon früher merkt.
00:12:01: Also manchmal gibt es das gerade, wenn man jetzt, ich sag mal schon, gewisse Erfahrungswerte hat, gar nicht mehr so viel im Probieren ist, sondern schon weiß, okay, die und die und die Dinge sind so essenziell wichtig.
00:12:11: Und da sehe ich in einem Absehbar am Zeitraum.
00:12:13: Wir reden hier auch nicht über, ich mach das und zwei Wochen später, tada, alles super.
00:12:17: Und ich weiß noch genau, ich hab in meiner Klasse, die ich hatte, bevor ich in Elternzeit gegangen bin, war das auch so, dass sich alle am Anfang sehr finden mussten, auch ihre Position in der Gruppe irgendwie gesucht haben, auch geschaut haben, hey, wie viel von mir darf ich hier zeigen?
00:12:33: Das ist ja, wenn wir auch im Thema angepasste Kinder, die lieben ruhigen sind, ein ganz wichtiger Aspekt.
00:12:40: Und da ist es, und es ist... Also, ich mag diese Tage irgendwie auch, aber manchmal steht man da und geht zum ganzen kleinen, süßen Zirkus und denkt sich, okay.
00:12:51: Und ich habe mit der Schulbegleitung meiner Klasse dort gestanden, liebe Grüße, ich weiß, dass sie hier reinhört.
00:12:56: Hallo.
00:12:58: Da gestanden und gedacht, okay, hier haben wir eine schöne, große Aufgabe und ich habe zu ihr gesagt, pass auf.
00:13:04: Du wirst irgendwann, sagen wir mal, wenn es gut läuft Anfang der zweiten Klasse, werden wir da sitzen und sagen, Weißt du noch, am Anfang, weißt du noch, wie das war und was wir, auf welcher Ebene wir da anfangen mussten?
00:13:16: und jetzt guckst du es an.
00:13:18: und das war wirklich bisher zum Glück, was heißt nicht zum Glück, sondern wahrscheinlich aufgrund der Dinge, die wir so tun, die Erfahrung und der Erfahrungswert und das und das möchte ich ganz ausdrücklich sagen.
00:13:31: Diese Erfahrung habe ich in sehr unterschiedlichen Schulumgebungen gemacht.
00:13:35: Also Schulen, wo viele Kinder aus prekären Familien-Situationen sind und, und, und.
00:13:39: Also das war nicht etwas, wo man sagt, ja, an so einer schicken, heile Weltdorfschule, die es ehrlicherweise auch so nicht mehr gibt, würde ich sagen.
00:13:47: Kann man das machen?
00:13:48: Nein, nein.
00:13:48: Man kann das überall machen.
00:13:50: An anderen Stellen ist es sogar vielleicht noch wichtiger.
00:13:52: Und ich bin so bei dir bei dem, was du sagst, dass was für mich auch im Lehrkraftsein so ein wichtiger Satz war, war man kann.
00:13:59: nicht in Beziehung sein.
00:14:01: Das heißt, wir sind ja sowieso den ganzen Tag in Beziehung.
00:14:04: Das können wir gar nicht verhindern.
00:14:06: Da, wo wir aufeinandertreffen, sind wir in Beziehung.
00:14:10: Ich habe das sowieso.
00:14:11: Es geht darum zu gucken, in welcher Weise.
00:14:14: Also laufe ich eben wie so der wütende Schlumpf, dieser Miese-Peter-Schlumpf, wie heißt der?
00:14:20: Laufe ich so über den Flur.
00:14:22: Dann bin ich in diesem Moment auch in Beziehung.
00:14:25: Es findet eine sehr verborgene, aber vorhandene Interaktion.
00:14:29: zwischen mir und den Kindern statt.
00:14:30: Oder gehe ich die gleiche Zeit, das kann, wie du sagst, keine neue Zeit, die dazukommt, durch diesen Flur und habe eben einen Lächeln oder irgendwie einen anderen einladenden Ausdruck in meinem Gesicht und habe was ganz ganz anderes erreicht.
00:14:42: Ich finde das so wertvoll, dass du das sagst.
00:14:44: und diese Frage, hey, wie geht es dir eigentlich?
00:14:47: Ja, es gibt wirklich Unterrichtsphasen und Phasen, da ist es schwer unterzubringen.
00:14:52: fällt einem auch irgendwie mal hinten runter und so.
00:14:54: Volles Verständnis passiert mir auch.
00:14:56: Ich habe wirklich routiniert, mir dann so Momente zu suchen.
00:14:59: Ich habe zwei, drei Mal die Woche Pausenaufsicht.
00:15:02: Dann gehe ich, wenn jetzt sich die Situation so ergibt, gehe ich da, versuche ich da in Gespräche zu gehen.
00:15:08: Es gibt auch Pausen, da geht auch das nicht, weil diese Pausen sehr intensiv sind.
00:15:12: Es geht eben auch in Pausen schon.
00:15:14: Oder wenn wir einen Ausflug machen, dann hole ich diese Kinder zu mir nach vorne.
00:15:18: Ich bin ja Grundschullehrkraft, da wollen die immer noch sehr nah bei mir sein.
00:15:21: Das ist natürlich mein Vorteil.
00:15:24: Ich würde mal behaupten, dass man das vielleicht im Jugendalter etwas anders lösen muss und nicht vor der ganzen Gruppe sagen muss, so, du darfst jetzt vorne bei Frau nichts hergehen.
00:15:31: Komm mal an meine Hand, komm, komm.
00:15:34: Ja, da gestelltest du mit den Beziehungen, denen der laufs hinten gehen zu dürfen.
00:15:36: Genau.
00:15:37: Weil
00:15:37: du dich auf die verlassen kannst, oder?
00:15:38: Ja, genau.
00:15:38: Super, super.
00:15:40: Das muss man natürlich dann ein bisschen... für sich und seine Altersgruppe anpassen, klar.
00:15:44: Aber dann nehme ich mir die da nach vorne und auf dem Weg zur Bahn sprechen wir mal, na hey, wie geht es dir eigentlich gerade?
00:15:51: Und das zweite Feld, was da ja immer noch mit drin steht, oder drin steckt, hey, ist das überhaupt meine Aufgabe?
00:15:58: Beziehung
00:15:58: zugestalten?
00:15:59: Da so nachzubohren?
00:16:00: Ja, das auf jeden Fall.
00:16:01: Das auch hoffentlich, ja.
00:16:04: Aber da so nachzufragen, wenn ich jetzt einen Gut bekomme, ist es meine Verantwortung zu fragen.
00:16:10: Echt?
00:16:10: War alles gut?
00:16:11: Gab es denn was, was nicht so gut war, so wie du es am Anfang gesagt hast?
00:16:14: Ist es meine Aufgabe, da so weiter zu gucken?
00:16:18: Ich weiß nicht, ob das Wort Aufgabe richtig ist.
00:16:22: Also, bei Aufgabe kriegt das wieder was zu Erfüllendes.
00:16:27: Also, es soll keine Aufgabe sein, es soll keine Pflichtübung sein.
00:16:30: Wenn du das als Pflichtübung empfindest, dann musst du bitte deinen Job hinterfragen.
00:16:35: Also, ne?
00:16:36: Wahrscheinlich... bekommt ihr selten so eine klare Antwort von jemandem, aber ich stehe dazu.
00:16:42: Wenn du das Gefühl hast, du musst Beziehung zu Kindern zwanghaft gestalten und du kriegst es nicht intuitiv aus dem Bauch heraus hin, echt authentisch, auch mal Quatsch mit denen zu machen.
00:16:54: Dann überleg bitte.
00:16:56: ob der direkte Kontakt mit Kindern irgendwie das Richtige ist.
00:16:59: Ich will gar nicht sagen, dass du eine schlechte Pädagogin oder schlechter Pädagoge bist.
00:17:02: Das heißt es noch lange nicht.
00:17:04: Ich bin auch gelernte Erzieher und ich kann nicht im Kindergarten arbeiten.
00:17:07: Ich krieg das nicht geschossen.
00:17:08: Ich habe einen größten Respekt vor Menschen, die das jeden Tag tun.
00:17:11: Ich habe mich aber dafür entschieden, dass ich an anderen Stellen mit den Ressourcen, die ich habe, besser sein kann.
00:17:16: Und um mehr geht es mir gar nicht.
00:17:18: Also es ist keine Aufgabe, sondern Ich bin fest davon überzeugt, dass das zu dir passen muss, dass das deine Haltung entsprechen muss.
00:17:25: und dann soll das passieren, weil du pädagogik verstanden hast.
00:17:31: Weil du verstanden hast, dass du ein wertvoller Teil dieser Kinder bist.
00:17:35: Du kannst ja nicht wegdividieren, dass du einfach sechzig Prozent des Tagesablaufs mit diesen Kindern verbringst.
00:17:42: Du hast mindestens genauso großen Zeitanteil wie die Eltern an diesem Kind.
00:17:49: Deswegen, nein, es ist keine Aufgabe.
00:17:51: Aber wenn dir irgendetwas an deiner Arbeit und an den Menschen liegt, dann frag mal nach.
00:17:57: Und es sind wirklich diese kleinen, kleinen Dinge wie, hey, wie geht's hier unter?
00:18:00: Oder, hey, hast du mich gerade angegummelt?
00:18:03: Was ist da los?
00:18:05: Kannst auch liebevoll mit dem Lächeln auf dem Gesicht machen, um da die Brücke zu bauen und Türen zu öffnen.
00:18:10: Und vielleicht darf ich noch mal ein kleines Missverständnis ausräumen, wenn ich sage, du musst Beziehungsarbeit leisten.
00:18:18: Und es fällt uns so schwer, immer zu sehen, dass wir der Erfolge mitkriegen.
00:18:23: Es gibt einen Punkt, den viele übersehen, nämlich Beziehungsarbeit leisten.
00:18:29: und gute Beziehungsarbeiten machen, bedeutet nicht, dass das Kind dich am Ende mag.
00:18:34: Ja.
00:18:35: Es bedeutet noch lange nicht, dass das Kind jetzt vertrauensvoll immer zu dir kommt und dich toll findet, in den Arm nimmt und dir all seine Sorgen erzählt.
00:18:42: Beziehungsarbeit kann auch bedeuten, dieses Kind findet dich bis zum Ende der vierten Klasse abgrundtief scheiße.
00:18:49: Und das ist in Ordnung.
00:18:50: Und trotzdem machst du das.
00:18:52: Weil Beziehungsarbeit bedeutet nicht, wir sind hier alle Friede, Freude, Eierkuchen und gehen ja als Best Friends raus und du bist die Person, an die ich mich mein Leben lang erinnere, sondern ich war der Mensch, der dir Klarheit gegeben hat, der dir einen Rahmen gegeben hat, der verlässlich war.
00:19:08: Manchmal bedeutet Beziehung auch einfach nur, ich habe es geschafft, vier Jahre für dich da zu sein und du brauchst es nicht.
00:19:16: Oder wolltest du es nicht.
00:19:17: Aber vielleicht hast du als Kind oder dann irgendwann als Jugendlicher oder junge Erwachsener, dann irgendwann mal einen kleinen Moment für dich, für mich über und denkst, ach guck mal, guck mal, da war jemand einfach nur da.
00:19:33: Also Beziehungsarbeit bedeutet nicht, alle mögen sich hinterher, das ist mir nochmal total wichtig.
00:19:36: Also, das ist ein Punkt, der mich anpiegst.
00:19:39: Ich hatte einen Lehrer auf dem Gymnasium, der war, der hatte auch einen Ruf, ist ja ganz oft so, dass man schon vorher so weiß, oh, den kriegen wir in Geschichte, oh nee, weil man einfach dies und das und jenes hört.
00:19:53: Und dieser Lehrer, ich fand bis zum Ende, wo... Wir gemeinsam einen Unterrichtsweg hatten, dass der einfach keinen guten Unterricht gemacht hat.
00:20:01: Absolut nicht.
00:20:01: Ich fand den Unterricht furchtbar.
00:20:03: Ich habe gedacht, also meine Mundwinkel hingen sehr weit unten.
00:20:06: Wenn ich gesehen habe, nee, jetzt ist das wieder dran.
00:20:08: Ich habe da keine Hausaufgaben gemacht.
00:20:10: Ich habe mich nicht sonderlich angestrengt in diesem Fach.
00:20:14: Ich habe das Fach wirklich... rumgekriegt, sagen wir es so.
00:20:18: Mehr kann man das wirklich nicht sagen.
00:20:20: Und wir hatten auch keine einfache Beziehung.
00:20:24: Aber exakt dieser Lehrer, und es war zu diesem Zeitpunkt der einzige Lehrer, der meinen Eltern damals gesagt hat, ich mach mir ab und zu ein bisschen Sorgen um die Saskia, der vermittelt hat, ich glaub, der geht's hier nicht immer gut.
00:20:41: Es ist daraufhin nicht groß viel passiert.
00:20:44: Aber ich weiß, dass meine Eltern nach Hause kamen und mir diesen Satz gesagt haben, auch darauf ist nicht weiter viel passiert.
00:20:51: Aber offensichtlich hat mich total beeindruckt, und das war ein ganz wertvoller Impuls, dass ausgerechnet dieser Lehrer das irgendwie im Blick hatte, dass es mir nicht gut ging.
00:21:05: Das ging mir nicht gut.
00:21:07: Er hat, wie gesagt, die nächste Schlussfolgerung aus, hey, könnte ich vielleicht hier irgendwie unterrichtlich oder auch so in dieser ganzen weiteren Arbeit etwas verändern, damit das vielleicht ein bisschen besser wird.
00:21:16: Der fehlte noch so ein bisschen, aber das war für mich... Die waren
00:21:19: noch nicht so weit.
00:21:21: Erst mal gar nicht so krass entscheidend.
00:21:24: Ich habe nicht in einem zweiten Satz gedacht, ja bitte, dann passt doch dein Unterricht an, dann mach doch hier mal irgendwas.
00:21:29: Sondern ich weiß das wirklich noch ganz doll.
00:21:32: Ich bin wochenlang mit dem Geführrum, also auch wenn wir in diesen Unterricht gegangen sind, den ich nach wie vor kacke fand.
00:21:37: Wenn wir da drin saßen, dachte ich, der hat gesehen, dass mir nicht gut geht.
00:21:41: Das ist doch krass.
00:21:42: Ich fand das offensichtlich.
00:21:44: Ich bin ja nun schon ein bisschen länger aus Schule raus, war das ein bleibender Eindruck bei mir.
00:21:49: Und es war genau das, was du beschreibst.
00:21:50: Ich mochte den weder sonderlich doll danach, noch fand ich den Unterricht dadurch besser.
00:21:56: Aber es hat eine Verbindung zu diesem Menschen geschaffen und der hat einen Unterschied gemacht.
00:22:01: Ein Kleinfein.
00:22:03: Einfach durch dieses, ähm, ich seh das.
00:22:05: Ich hab so ein ähnliches Erlebnis, wenn mein ehemaliger Deutschlehrer auf der Realschule, Herr Smya, liebe Grüße, falls du das mal hörst, ist für dich jetzt, der war anders, der hat einen ziemlich guten Deutschunterricht gemacht, ich hatte nur keinen Bock auf Schule, überhaupt nicht, ich war so ein schlechter Schüler, also wenn die mal mal zurückgesehen sind, ich war, du hast dein Zimmer veröffentlicht auf Instagram, war eine spannende Reaktion, was da drunter stand.
00:22:28: Bei mir wird es eh nicht sein.
00:22:29: Vier in Fünfen, es gab auch mal eine Sechs auf dem Zeug.
00:22:31: Ich hab zweimal in der Klasse wiederholen.
00:22:32: Ich bin vom Gymnasium auf die Hauptschule geflogen und so weiter.
00:22:34: Also, alle das Szenario durch.
00:22:36: Und heute darf ich Lehrkräften verzeigen.
00:22:38: Ist auch spannend, ne?
00:22:39: Auch an dieser Stelle.
00:22:40: Sehr mutmachend.
00:22:41: Noten sind im Moment auf Narbe, wenn überhaupt.
00:22:43: Vollkommen egal, ne?
00:22:44: Also, das hat die Schule mittlerweile auch gut verstanden.
00:22:47: So, aber Herr Smir, guter Deutschunterricht gemacht, der hat aber immer verstanden, der Raphael wird kein guter Deutschschüler.
00:22:53: Nie.
00:22:53: Wird er nicht.
00:22:54: Und der hat mir auch die schlechten Noten dafür gegeben.
00:22:56: Zu Recht.
00:22:57: Vollkommen zurecht.
00:22:59: Und er ist mit mir in seinem Unterricht auch so umgegangen, fair, aber wie man halt in einem schlechten Schüler umgeht.
00:23:05: Anfordernd, pieksend, in Elterngesprächen, absolut klar.
00:23:09: So.
00:23:09: was ich aber diesen Menschen hoch anrechne und da mich einige treffen dürfen, ist, dass der in dem Moment, wo die Glocke ging und der Unterricht vorbei gegangen ist, Herr Satra Fell, Deutsch ist nicht dein Ding.
00:23:22: Schule ist nicht dein Ding.
00:23:24: Aber ich sehe da was.
00:23:26: So, und dieser eine kleine Satz, der hat ja bis heute mehr Gewicht, als jede Note nicht bekommen habe.
00:23:31: Ja.
00:23:33: So, und irgendwann eine ganz spezielle Szene, eine tolle Anekdote, kann ich immer sagen, ich hab wieder mal nicht zugehört, ne?
00:23:38: Herr Smya erzählt vorne Kommaregeln, ich hab's bis heute nicht drauf.
00:23:44: Erzähl wieder irgendwas, ich liege auf dem Tisch und hör nicht zu, und er sagt, Raffel hörst du mir eigentlich zu?
00:23:48: und ich schrecke hoch und war damals offensichtlich schon sehr schlagfertig und habe gesagt, Herr Smya, bitte.
00:23:54: Ich betrachte ihre Worte als Perlen der Weisheit und Zähre davon.
00:23:58: Und dann hat er mich verdonnert, diesen Satz in der absolut richtigen Grammatik aufzuschreiben, mit der richtigen Kommastellung fehlerfrei.
00:24:04: Und er hängt, oder der Hing zumindest, viele, viele Jahre in seinem Klassenzimmer eingerahmt.
00:24:09: Das fand ich gut.
00:24:10: Ja, fand ich auch gut.
00:24:11: So, ich habe, glaube ich, in Deutsch das erste mal eine vernünftige Leistung erbracht, weil sie nichts mit Deutsch unter Recht zu tun hatte.
00:24:16: Und da hatten wir jemand das Gefühl gegeben, ah, guck mal, auf der anderen Ebene kannst du unglaublich viel.
00:24:21: Ja.
00:24:21: Und da habe ich viele Lehrkräfte von treffen dürfen, aber natürlich auch Die, denen das scheißegal war.
00:24:25: Ja, das ist ja was, was wir immer auch miterzählen müssen und sollten.
00:24:29: Das ist auch im Leidensdruck von Kindern und auch den Eltern da dran.
00:24:34: auch Lehrkräfte gibt, wo man wirklich denkt, naja... Ob das jetzt hier noch das richtige Arbeitsumfeld für dich ist, können wir ja mal darüber sprechen.
00:24:42: beziehungsweise die und das muss man auch vielleicht milder dazu sagen, die einfach aufgegeben haben manchmal.
00:24:49: Das ist auch eine Geschichte dazu.
00:24:51: Wir haben jetzt super Beispiele für das sind Beziehungsmomente und die können auch in einem Kontext stattfinden, wie du sagst, wo das nicht ein... Unterricht ist, den man in ein Insta-Video packen kann, sondern wo das einfach kleine Momente sind und die einen so großen Impact auf den weiteren Weg haben.
00:25:10: Wie gesagt, manchmal im Marathon, manchmal eben erst Jahre später, das ist ein bisschen das Gemeine als Lehrkraft, dass wir manchmal das gar nicht mehr mitkriegen und ein bisschen darauf vertrauen müssen, dass das, was wir diesen Kindern mitgeben, irgendwann eine Rolle spielen.
00:25:23: darf oder so hochkommt, auch wenn wir das dann nicht quasi auf dem Silber-Tablett präsentiert bekommen.
00:25:29: Schau mal wegen dem.
00:25:31: Ja, guck mal.
00:25:32: Und gleichzeitig, es gibt doch, es gibt doch diese Kinder, die könntest du als Lehrkraft, auch hier bin ich wie ein Robotscham, ne?
00:25:37: Es gibt doch Kinder, die könntest du jeden Morgen zum Mond treten.
00:25:40: und wenn die fragen, warum gleich nochmal.
00:25:42: So, die machen dich fertig, die nerven dich vier Jahre bis zur Hölle, du gibst alles und weißt nicht, was da irgendwie passiert ist.
00:25:48: Und dann machst du als Lehrkraft irgendwann drei Kreuze, wenn die in die fünf gehen.
00:25:52: Das ist ja auch Teil der Realität.
00:25:56: Aber weißt du, welche Kinder in den ersten Ferien wieder bei dir auf der Matte stehen und nur mal Hallo sagen wollten?
00:26:02: Und ich wette, da draußen hat fast jede Lehrkraft genau den Moment schon mal erlebt.
00:26:07: Du machst drei Kreuzer, dass ein Kind irgendwann geht und genau dieses Kind guckt.
00:26:11: wenn es an der Schule vorbeigeht, auf dem Nachhauseweg von der anderen Schule, so über den Zaun und Schilz so ein bisschen, oder winkt ihr dann doch mal zu?
00:26:18: oder in den ersten Ferien, wenn das Geschwisterkind noch in der Schule ist, holt es die ab und ich will nur meinen Bruder abholen.
00:26:24: Ja?
00:26:24: Kommt gar nicht wegen Deal, nur im Bruder abholen so.
00:26:27: Aber dann merkst du doch schon, das hat irgendwas gebracht.
00:26:32: Jetzt haben wir ganz, ganz viel sehr berechtigte Werbung für diese Beziehungsmomente gemacht und um... Fahre ich doch.
00:26:40: Das muss ja jetzt mal wirklich mal Genuss sein.
00:26:42: Man kann ja gar nicht genug Werbung dafür machen, aber ich finde diese Beispiele wirklich sehr, sehr, sehr konkret und schön.
00:26:47: Ich möchte noch mal jetzt den Bogen spannen zu diesen Kindern, die da vor uns sitzen und eben diese nur sagen, du tust mir aber gut heute.
00:26:57: Danke schön, dass du da bist.
00:26:59: Da steht dann auch gerne so im Zeugnis in diesen wundervollen, für mich wahnsinnig ätzenden Kopfnoten, Gedönste steht dann immer, trägt positiv zu einer ruhigen Klassengemeinschaft und Klassenatmosphäre bei.
00:27:12: Diese Sätze muss ich da auch hinklicken, weil wir so gewisse Bausteinvorgaben haben.
00:27:15: Aber ja, schwierig.
00:27:17: Jetzt ist für mich die Frage.
00:27:18: Du hast ja eben mit diesen Kindern dann in einem Kontext oder Jugendlichen in einem Kontext zusammengearbeitet, wo ja dann doch schon durchkam, dass eben nicht alles okay ist.
00:27:26: Wie kommt es dazu, dass Kinder... sich so im klassenzimmer verhalten ist es einfach charakter.
00:27:31: es gibt ja einfach auch stillere etwas introvertierte etwas angepasstere menschen.
00:27:37: angepasst finde ich sowieso eigentlich ein schwieriges wort aber es beschreibt so gut worum es dabei geht sich einfach wahnsinnig unauffällig in einen vorgegebenen rahmen einpassen
00:27:45: ja und vielleicht die machen das ja auch weil es den gefällt.
00:27:48: genau
00:27:49: ist das ist
00:27:49: das charakter
00:27:50: oder ist das oft noch mehr.
00:27:52: Das ist ein Feld, das wissenschaftlich echt schwer zu beackern ist.
00:27:56: Weil du einfach mit den Menschen dann interagieren müsstest, um das rauszufinden.
00:28:00: Also da gibt es keine Studienlage zu.
00:28:03: Von daher kann ich nur die These aufstellen.
00:28:06: Und das ist wirklich bewusste These und ihr dürft auch damit nicht einverstanden sein.
00:28:09: Ich glaube oder habe die Vermutung, da kommt ganz, ganz viel.
00:28:14: Da kommt ganz, ganz viel von zu Hause, da ist hundertprozentig ein bisschen genetik mit bei.
00:28:19: nette freundliche Eltern, haben relativ häufig nette freundliche Kinder, so Ausnahmen bestätigen die Regel.
00:28:26: Es gibt Menschen, die vermitteln ihren Kindern von klein auf, wie der Umgang mit anderen Menschen funktioniert, wie man freundlich ist, wie man zugewandt ist.
00:28:36: dass es vielleicht richtig ist, mal den Mund aufzumachen, aber nicht an jeder Stelle.
00:28:40: Also, das heißt, es gibt eine genetische Komponente, es gibt bestimmt eine riesengroße erzieherische Komponente.
00:28:46: Und gleichzeitig wissen wir ja auch, und das ist tatsächlich wissenschaftlich total klar, alles, was Menschen tun, tun sie nur dann, wenn sie sich einen Benefit davon versprechen.
00:28:57: Und es geht nicht um Aufmerksamkeit, sondern es geht immer darum, dass es mir mit einem Verhalten besser geht als ohne dieses Verhalten.
00:29:04: Das heißt, Kinder, die lieb und angepasst sind, könnten vielleicht, deswegen konjunktiv, könnten tatsächlich den Benefit haben, dann lässt mich auch jemand in Ruhe.
00:29:13: Dann bohrt auch nicht jemand nach.
00:29:16: Alle Menschen, die lächelnd und freundlich durch die Welt gehen, denen geht es nicht immer gut, aber vielleicht fragt einfach keiner nach.
00:29:21: Vielleicht werde ich in Ruhe gelassen.
00:29:24: Vielleicht ist es aber auch das Gefühl von, aber wenn ich doch was tue, dann merke ich, dass ich gut bin.
00:29:28: Und was wir in Kinder- und Jungs-Sicher-Trie relativ schnell, oder was ich damals relativ schnell herausgefunden habe, ist, dass wir als Pädagoginnen und Pädagogen einen klitzekleinen Anteil daran haben.
00:29:39: Wir haben da Verantwortung.
00:29:41: Also erst mal, du hast ja gerade gesagt, wenn in diesem Zeugnis z.B.
00:29:44: dieser Satz steht, trägt wunderbar zu einem positiven Klima in der Klasse bei, sorgt für Ruhe und answeiterne, ist hilfsbereit.
00:29:51: dann stell dir doch bitte mal ganz kurz die Frage, ob das richtig sein darf, ob dieses Kind so eine Verantwortung hat.
00:30:01: Also, ist dieser Satz da, weil das Kind das unfassbar gerne macht und wirklich gerne macht?
00:30:08: Oder steht der Satz da, weil da ein Kind ist, was gelernt hat, wie gut es ist, diese Verantwortung zu übernehmen?
00:30:15: wie gut es ist, auch für andere gut zu sein.
00:30:18: Wenn ich noch drei Minuten mal hier so eine kleine Situation schildern darf, auf eine Kita erstes Jahr, ich habe ja auch noch ein Anerkennungsjahr in der Kita gemacht.
00:30:25: Und ich habe eine dreiviertel Stunde beobachtet, wie so ein kleiner vierjähriger versucht, so eine Schleife in seinen Schuh zu kriegen.
00:30:30: Alle anderen Kinder waren schon draußen und du hast in diesem Gesicht dieses Kindes alle Emotionen gesehen, von Frust, dass das nicht geht und dass man mit vier noch keine Schleife kann, bis hin zu Ehrgeiz und Motivation.
00:30:40: das jetzt irgendwie hinkriegen zu wollen und dann auch dieses freudige Strahlen in den Augen als diese Schleife.
00:30:45: Fragen wir nicht wie, aber sie hat gehalten.
00:30:47: Ja?
00:30:48: Und ich ärger mich ja bis heute über meine Reaktion, weil was ist der erste Impuls, wenn du mitkriegst, jemand gibt sich eine dreiviertel Stunde Mühe und dann funktioniert das.
00:30:56: Die ganze Mühe wird belohnt.
00:30:57: Was ist dein, was ist dein erster Impuls?
00:30:59: Man freut sich mit.
00:31:00: Du freust dich mit?
00:31:01: Genau.
00:31:02: Du gehst hier und sagst, boah, wie cool, toll, Mensch, da hast du dir aber Mühe gegeben und ich habe den blöden Nachsatz dahin gepackt.
00:31:07: Cool, dann kannst du doch beim Anziehen der Kleinen helfen.
00:31:10: Ja.
00:31:12: So, weil ich dachte, als Pädagoge macht man das.
00:31:15: Da sieht man eine Ressource und fördert die dann gefälligst auch.
00:31:19: Und dann kommen diese Kinder irgendwann in die OGS und jemand sagt, hey, lass uns mal zur Weihnachtszeit die Fenster neu machen.
00:31:24: Wer hat denn Lust, mir mal für die zwölf Kinder, die ihr noch da sind, so eine Schablone zu malen?
00:31:28: Du weißt ganz genau, welches Kind sich meldet und die Schablone macht.
00:31:31: Dann sitzen die in der Klasse, das sind die Helferkinder, denen sagst du, oh, wie toll, dass ich mich auf euch verlassen kann.
00:31:36: Ich muss da vorne brandtixy löschen.
00:31:37: Hier ist das Material, fangen mal an zu arbeiten.
00:31:39: Und wenn ihr fertig seid, dann geht doch mal rum und gucken mal, ob er den anderen helfen könnte.
00:31:43: Und dann machen die das auch.
00:31:45: Und wir haben ... Die Verantwortung verstehen zu müssen, dass wir den Kindern manchmal ungewollt in der besten Absicht aber beibringen.
00:31:53: Du bist offensichtlich nur dann gut, wenn du etwas für andere tust.
00:31:55: Dazu kommen wir tatsächlich gleich nochmal in einem anderen Bereich.
00:32:00: Wenn wir an dieses angepasst zu denken, du hast jetzt schon gesagt, Genetik ist ein Teil.
00:32:05: Ja, auch wir als Eltern spielen eine Rolle.
00:32:08: Wir sind nicht immer, wie du sagst, aus einer bestätigten Regel.
00:32:12: Ich bin ja jetzt nun im neurodivagenten Kontext sehr, sehr viel tätig.
00:32:15: Da ist diese, oh mein Gott, war ich das.
00:32:17: Schuldfrage ja ganz, ganz, ganz groß.
00:32:20: Das ist natürlich noch mal ein anderes Feld.
00:32:22: Aber natürlich, das wäre ja schlimm, wenn man mir sagen würde, ich als Eltern habe gar keinen Einfluss auf mein Kind, sogar nicht.
00:32:29: Natürlich haben wir Einfluss und den können wir ein bisschen ins Positive bewegen und den können wir eben aber auch sehr ungünstig gestalten.
00:32:35: Ja, und gerade, das ist mir vielleicht noch mal mit dem Kontext, den ich ja habe, total wichtig.
00:32:39: Neurodivergenz ist ja mittlerweile etwas, was relativ klar ist, wo man weiß, da ist niemand irgendwie... Schuld dran.
00:32:46: Also es geht nie um Schuld, sondern es geht um das Verständnis von eigentlich eine Megagabe.
00:32:51: Das sind ja die Menschen, die die Welt aus den Angeln heben, weil sie es können.
00:32:54: Wenn Sie den entsprechenden Rahmen dafür vorfinden, das ist ja immer so das kleine Arbe an der Stelle.
00:32:59: Ja, oder und das ist das, was ich ja erlebt habe.
00:33:02: Ich habe den Rahmen nie vorgefunden, also habe ich mir den Mut zusammen gesammelt, mir meinen eigenen Rahmen zu schaffen.
00:33:08: Also das geht ja auch.
00:33:09: Das ist auch machbar.
00:33:11: Was ich aber damit sagen möchte, ist, dass dich das als Eltern von einem neurodivergenten Kind, aber nicht von der Verantwortung entbindet, dieses Kind trotzdem vernünftig großzukriegen.
00:33:18: Das heißt, ja, Verständnis für alles, das was da ist.
00:33:23: Verständnis und auch Mut hinschauen zu dürfen, was das für eine unfassbare Ressource sein kann, selbst wenn man in Schule irgendwann scheitert.
00:33:31: Das bedeutet aber noch lange nicht, dass neurodivergente Kinder nicht lernen dürfen, wie man mit Menschen umgeht.
00:33:36: Das bedeutet noch lange nicht, dass das eine Entschuldigung ist, dass mein Kind über Tische und Bänke geht.
00:33:40: Also den Spagat, den haben wir versucht, den Kinder- und Jugendpsychiatrie immer hinzukriegen.
00:33:43: Das war sehr, sehr schwer, sehr, sehr aufregend.
00:33:46: Aber das war mir an der Stelle immer wichtig.
00:33:48: Ja, es ist einfach, ich glaube, du bist an so vielen Stellen, also wir haben einfach diese inklusive und auch neuroinklusive Gesellschaft und Schulumgebung noch nicht.
00:33:56: Und ich glaube, dann entsteht sehr, was heißt ich, glaube ich weiß, dann entsteht sehr, sehr schnell dieses, hey, ihr kommt doch meinem Kind auch keinen Zentimeter entgegen.
00:34:06: Da kann ich einfach vollstes Verständnis dafür aufbringen, dass mein Kind in die andere Richtung auch nicht mitgeht.
00:34:11: Das ist schon so.
00:34:12: Und ich verstehe, dass man in diese Dynamik kommt.
00:34:14: Nichtsdestotrotz.
00:34:15: Und das erlebe ich aber bei den Eltern, die eben Schauen schon, wird sehr, sehr viel dafür getan, dass dieses Kind gute Möglichkeiten hat oder gute Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommt, also Verhaltenstherapie, teilweise medikamentöse Unterstützung.
00:34:30: Eine gewisse Haltung zu Hause, damit dieses Kind die Ressourcen hat.
00:34:35: Wir können ja nur die Ressourcen mitgeben.
00:34:37: Wir haben es ja nicht kontrollierend in der Hand.
00:34:39: Die Ressourcen hat, um in diesem Kontext irgendwie klarzukommen.
00:34:42: Wenn dann aber der Kontext sogar keinen Schritt und diese Realität haben wir leider auch auf diese Kinder zugehen will, dann wird es irgendwann auch schwierig.
00:34:49: Aber du hast recht.
00:34:50: Natürlich erst mal haben beide Seiten, wenn wir jetzt im Bereich Schule sind, die Verantwortung dem Kind.
00:34:56: da es mitzugeben, was es braucht, um auch selbstkompetent zu sein.
00:34:59: Ich sitze ja auch nicht in meinem Unterricht und schaffe alles so, dass niemand mehr irgendwie sich anstrengen muss, sondern es bleibt ja trotzdem Arbeit in Schule zu sein.
00:35:08: Aber ich schaffe Bedingungen, in denen diese Arbeit möglichst fair und gut geleistet werden kann.
00:35:13: Genau,
00:35:13: das ist der Punkt.
00:35:14: Und bei diesen Kindern, über die wir gerade sprechen, kommt ja auch nochmal dieses Thema Masking.
00:35:22: So zum zum tragen.
00:35:24: also dieses ich ich passe mich so gut ich kann unter aufbringung all meiner ressourcen.
00:35:29: In einen rahmen ein damit ich nicht auch also ich merke ich bin irgendwie anders ich spüre ich denke manchmal ein bisschen anders.
00:35:35: ich fühle manchmal ein bisschen anders als.
00:35:38: So von außen betrachtet der Großteil der anderen Kinder.
00:35:42: Und diesen Scheinwerfer, egal wie doll der da wirklich auch von außen auf mich drauf kommt, den spüre ich aber die ganze Zeit ganz doll.
00:35:49: Also entwickeln, nicht wenige Kinder, die Dynamik.
00:35:53: Okay, ich beobachte ganz genau, was es hier gefordert.
00:35:57: Und das ist eben das, was du auch gesagt hast.
00:35:59: Wie kriege ich es hin, hier möglichst wenig aufzufallen, möglichst wenig angesprochen zu werden, möglichst das Gefühl zu haben, wenn ich schon so anders bin und die Dinge irgendwie, dass Werdenkinder leider falsch machen oder nicht so, wie sie erwartet werden.
00:36:13: Was kann ich denn dann im Gegenzug tun, um trotzdem ein guter Mensch zu sein?
00:36:18: Ah, ich gieß die Blumen, ich verlei mein Bleistift, ich setze mich zu dem unruhigen Kind und so weiter.
00:36:24: Und ich hab ... die Frage aufgeschrieben, welche Dinge uns da aufhorchen lassen sollten.
00:36:29: Aber das, was ich jetzt bisher aus dem, was du sagst, mitnehme, ist, wenn wir Pech haben, wird es nie was geben, was uns aufhorchen lässt.
00:36:35: Dieses Kind ist vielleicht in meinem Fall vier Jahre an unserer Seite und verhält sich vier Jahre lang so.
00:36:41: Das, was das Ding aufkriegt, ist wahrscheinlich die Frage, wie geht es dir?
00:36:46: Na ja, oder wenn du irgendetwas suchen möchtest, was dir auffallen soll oder wenn es Dinge gibt, wo du aufreuchen solltest, dann wäre das Einfachste zu gucken, gibt es einen Kind, bei dem dir scheinbar nichts auffällt.
00:37:03: Also wenn dir nichts auffällt, dann horch auf.
00:37:06: Vielleicht ist das das Einfachste, was ich sagen kann, wenn dir nichts auffällt.
00:37:10: Wenn du nichts an Kritik äußern kannst, wenn du im Elterngespräch nur sagen kannst, ich weiß nicht, was ich ihnen sagen soll.
00:37:16: ist alle super, notengut, lieb, freundlich, alles taco, dann guck hin.
00:37:21: Und es darf auch alles in Ordnung sein.
00:37:23: Ich will nicht daraus pathologisieren, dass jetzt alle Kinder, die lieb und angepasst sind, irgendwie irgendwas verbergen oder dass denen immer schlecht geht und die maskieren sich.
00:37:31: Das können liebe tolle Kinder und einfach auch nur gut erzogene Kinder sein, das ist alles schön.
00:37:36: Dann musst du da auch nicht zwanghaft irgendetwas suchen.
00:37:39: Aber wenn du auf jemanden achten willst, dann auf die, bei denen dir nichts auffällt.
00:37:43: Ja,
00:37:43: das finde ich noch mal einen sehr, sehr guten Impuls.
00:37:46: Jetzt gehen wir noch mal so ein bisschen in dieses, was kann ich so tun als Lehrkraft-Beziehungsarbeit?
00:37:51: Haben wir schon ganz, ganz, ganz nach oben gestellt.
00:37:53: Das ist einfach wahnsinnig wichtig.
00:37:56: In diesen Podcasts sind auch schon sehr oft die Worte Neuro-Inklusive-Lernumgebung geflossen, weil Neuro-Inklusive-Lernumgebung, Lernumgebung für alle sind am Ende.
00:38:04: Deswegen macht es sich darum zu kümmern und, und, und.
00:38:07: Ich habe jetzt noch drei Dinge mitgebracht, drei Praktiken.
00:38:10: Die sind eben schon so ein bisschen angeklungen.
00:38:12: Und ich würde dich bitten, diese drei Praktiken mal zu ranken.
00:38:17: Und wir kommen dann dazu, warum die vielleicht ein bisschen kritisch bewertet sollen.
00:38:22: Das Ranking ist Platz drei.
00:38:24: Okay, ich find's nicht so toll.
00:38:27: Und Platz eins ist, oh, bitte, bitte, bitte, können wir das verbannen?
00:38:30: Okay.
00:38:31: Vielleicht landen noch alle auf Platz eins.
00:38:32: Ich lasse dir da freie Hand.
00:38:34: Ah, das darf ich.
00:38:34: Ganz da kannst du mit frei umgehen.
00:38:35: Aber das wäre jetzt mal so.
00:38:37: das Aufgabenangebot, sagen wir es
00:38:38: so.
00:38:39: Einverstanden.
00:38:44: die drei Praktiken sind.
00:38:46: Verhaltensampeln einsetzen, Belohnungssysteme, all das, was wir so schön aushängend im Klassenzimmer haben, Gewitter oder wie gesagtes Ampel oder Smiley-Rennen oder was es alles so gibt.
00:38:57: Das angepasste Kind als Puffer zu einem motorisch unruhigen, erlauten, naja, zu so einem Kind setzen.
00:39:06: oder ein solches ruhiges, stilles, eher angepasstes Kind als Helferkind und Kohlerkraft einsetzen.
00:39:15: Okay, also es gibt eine einzige Sache von den Dreien, bei denen ich die diplomatische Antwort geben würde, das kommt darauf an.
00:39:21: Ja.
00:39:22: Dann fangen wir doch mit dem mal an.
00:39:24: Na ja, eigentlich kannst du bei allen Dreien sagen, es kommt darauf an, aber wir fangen mal mit das Helferkind als Puffer einsetzen.
00:39:30: Also wenn ich das ranken müsste, dann würde ich das auf die drei setzen, weil ich denke, es kann Szenarien geben, in denen das für beide total gewinnbringend ist.
00:39:38: Das setzt aber voraus.
00:39:40: dass alle in diesem Kontext verstanden haben, was der Gewinn für ihnen ist.
00:39:44: Wenn du dieses Kind, dieses Liebe, also wir bleiben jetzt mal beim Wortlaut angepasst, wo wir es beide nicht ganz richtig finden.
00:39:50: Wenn du dieses Liebe angepasste Kind als Ruhrpol nur für das wilde Kind in Anführungszeichen einsetzt, als Instrument, als einseitige Botschaft an das wilde Kind, dann ist das ein No-Go.
00:40:06: Dann ist das absolut grenzüberschreiten, würde ich sogar denken.
00:40:10: Wenn ich mal richtig fies bin, würde ich sogar denken, da hat ein bisschen was von Kindesholgefährdung.
00:40:15: Da sieht ja jemand, aber war gerade richtig über die Bedürfnisse von allen hinweg.
00:40:20: Und gleichzeitig gibt es Szenarien, und das habe ich auch schon tausendfach erlebt, wo Patientinnen und Patienten zu mir gekommen sind und gesagt, ich kann mit dem total gut, soll ich mich da hinsetzen?
00:40:31: Und dann ist aber meine Verantwortung zu sagen, pass auf, bevor du das einfach so tust, will ich mich mit dir hinsetzen, ich will mit dir reden, Und ich will, dass wir vereinbaren, dass es in Ordnung ist, dass du jederzeit wieder aufstehen kannst und gehst.
00:40:46: Ich will, dass wir beiden Stoppzeichen haben.
00:40:49: Ich will nicht, dass du die Verantwortung trägst, sondern dass ihr beide voneinander profitiert.
00:40:55: Wenn du das Gefühl hast, du kannst von dem anderen auch was mitnehmen, vielleicht ein bisschen mehr über die Strenge schlagen oder vielleicht auch mal ein bisschen dazwischen quatschen und vielleicht unterhaltet ihr euch mal im Unterricht und ich muss dich ermahnen und fährt ja auch gut, ne?
00:41:07: Das ist das Szenario, wo ich denke, ja, das könnte gut sein, das könnte hilfreich sein, aber das braucht halt Feingefühlen und es braucht Zeit.
00:41:13: und es ist nichts, was du als Maßnahme mal eben schnell machst, weil dann ist es kacke.
00:41:18: Ja, das ist eine Instrumentalisierung, wie du gesagt hast.
00:41:20: Und ich finde, das ist der Part, wo wir, wenn wir Kinder in Anführungsstrichen fast entmenschlichen und sie als Fitchetool sozusagen.
00:41:30: Nehmen ein Kind setzen, dass da gerade irgendwie eine andere Form der Regulierung braucht, dann ist es definitiv nicht der richtige Weg.
00:41:38: Und das ist eine Praxis, die noch sehr häufig vorkommt.
00:41:42: Ich bin ganz ehrlich, das habe ich am Anfang auch gemacht, weil ich dachte, ja, mega gut.
00:41:46: Da war das wirklich, wie weiß ich nicht, wie schwerste Quantenphysik, keine Ahnung.
00:41:52: Diesen Sitzplan auszuklügeln, wen setzt sich wohin, damit die Dynamiken am besten funktionieren?
00:41:56: Und dann setzt du die Kinder sehen und nach zwei Tagen denkst, ja, ich muss von vorne anfangen, das funktioniert gar nicht.
00:42:02: Also ich möchte mich da überhaupt nicht rausnehmen, dass ich diese Dinge auch gemacht habe, bis ich irgendwie gedacht habe, nee, warte mal.
00:42:08: Und es ist auch für das Kind, dass eben dieser nach außengehenden Verhaltensweisen hat und Regulierung sucht, auch kein Benefit, du hast über Benefits gesprochen, weil das lernt nur, ah, da ist jemand, an dem kann ich mich abreagieren.
00:42:22: diese Person regelt meinen emotionalen Nervensystemenzustand, wie auch immer.
00:42:27: Und das ist ja auch was, was dieses Kind ohnmächtig macht.
00:42:30: Es geht da viel mehr darum zu gucken, okay, was können wir denn bei dir für Ressourcen aktivieren, damit du weißt, okay, wenn es mir so geht, erst mal, wo bin ich gerade?
00:42:39: Und wenn es mir so geht, was kann ich dann machen?
00:42:42: Also auch dieses Kind lernt ja nur auf, wer anders regelt das für mich?
00:42:45: Cool.
00:42:46: Ja.
00:42:46: Sehr gut.
00:42:47: Ja, und manchmal trittst du ja auch gerade, manchmal trittst du ja auch gerade mit der Entscheidung.
00:42:50: Geh mal in Ruhe, neben jemandem wilden zu setzen, alles in Anführungszeichen.
00:42:55: Manchmal trittst du ja genau mit der Entscheidung den Dynamik los, die du besser überhaupt nicht gebrauchen könntest.
00:43:01: Also Obacht.
00:43:02: Das ist der Punkt, wo ich denke, ja, kommt drauf an.
00:43:04: Da kann ich wirklich noch gut mit leben, wenn mir das jemand wirklich gut begründet und wenn es allen Parteien damit gut geht.
00:43:08: Ja, und auch die Impulse aus den Kindern herauskommt.
00:43:11: Du hast ja gesagt, da hat jemand gesagt, hey, ich kann gut mit dem oder mit ihr ... Ich würde da mal hingehen, wenn es okay ist.
00:43:17: Ja,
00:43:17: und du darfst ja auch als Erwachsener Impulse setzen.
00:43:19: Also, wenn du jemand fragst, ich hätte die Idee, dass das eine total tolle Idee sein kann, wenn du da sitzt, weil ich glaube, das ist für beide
00:43:27: gut.
00:43:27: Wie siehst du das denn?
00:43:28: Also, wenn du dann die Kinder mit ins Boot holst und akzeptieren kannst, dass sie sagt, nee, ist ne Scheiße, die mache ich nicht, dann fein damit bist.
00:43:35: Da ist das doch cool.
00:43:36: und eben wirklich dieses.
00:43:37: und wenn es nicht klappt sofort ne sagt eben sofort ein Zeichen es ist total okay jederzeit sprechen wir das ab.
00:43:43: Und
00:43:44: noch ein Punkt.
00:43:47: Wir als Erwachsenen haben da die Verantwortung weil du sitzt du setzt ja jetzt.
00:43:50: Also wir drehen uns ja mit dem ganzen Szenario im Kreis.
00:43:53: Wenn du jetzt ein Liebesangepasst aus Kind fragst und hältst das für eine gute Idee, dann sagen die ja auch, ja, kann ich mir schon mal gut vorstellen.
00:44:01: Das heißt, vereinbare bitte unbedingt, dass du als Erwachsener dir das Recht vorbehältst, das jederzeit zu beenden, selbst wenn du mir sagst, das ist gut.
00:44:11: Weil du gerade ein anderes Bauchgefühl hast.
00:44:14: Und gerade diese Kinder, die laden sich so viel Verantwortung auf und alles, wo sie das Signal kriegen, hey, nee, nee, nee, dafür bist du nicht verantwortlich, sondern am Ende schau ich darauf, inwieweit ich das vertreten kann und ich schau auf dich und du kannst diese Verantwortung abgeben.
00:44:31: Aber die musst du nicht tragen an der Stelle.
00:44:33: Bin ich wahnsinnig, wahnsinnig wertvoll.
00:44:35: Ich bin immer geschwankt.
00:44:36: Zwischen ich hatte Phasen, da war ich ja das eine Kind.
00:44:39: Und ich hatte Phasen, da war ich, je nach Kontext, da war ich, dass das Kind das komplett untergetaucht ist und habe mir so viel Verantwortung aufgeladen an der Stelle und alles, wo ich, also das ist etwas, was mich bis heute prägt und mir schwerfällt, die abzugeben.
00:44:57: Und das war immer super wertvoll.
00:44:59: Ich wusste, okay, jemand guckt da drauf und ich muss nicht die ganze Zeit in diesem Alarmbereitschaftsmodus sein.
00:45:05: Jetzt haben wir noch zwei andere Sachen, nämlich einmal die Helferkinder und Co-Lehrkräfte.
00:45:11: Das hast du ja schon angedeutet, die werden auch gerne.
00:45:14: gerade diese Kinder, die immer sagen, ja, ja klar mache ich, sind die ersten, die da dieses Angebot bekommen, sag ich mal, und die Belohnungsverhaltensampeln und Co.
00:45:25: Okay, die Helferkinder packe ich auf die zwei.
00:45:27: Weil ich find's nicht gut, aber auch da gibt's wieder dieses, na ja, könnt ja trotzdem irgendwie hilfreich sein.
00:45:32: Nicht weil es hilfreich ist, sondern weil es hilfreich für das Kind ist.
00:45:35: Aber vielleicht eine kleine Idee für dein Unterricht, oder wenn du morgen in die Klasse kommst.
00:45:39: Wenn du reinkommst und sagst, ach Mist, ich hab meinen Rucksack draußen stehen lassen und es meldet sich dieses, ich mach das Kind, so nenn ich die immer, ne, so ich mach das Kinder, dann mach doch mal.
00:45:51: Pass auf, ich weiß, du würdest gehen und genau deswegen gehst du nicht.
00:45:53: Und dann schickst du jemand andern.
00:45:56: Und dann musst du als Lehrkraft aushalten, dass die das nicht aushalten können.
00:46:01: Aber dann haben zwei Kinder was gelernt und du auch.
00:46:04: Also das wäre vielleicht an der Stelle die zwei.
00:46:10: Aber wir haben es ja schon durchgekaut, so richtig gut ist es halt auch nicht.
00:46:14: Auch das hat einen schnellen Instrumentalisierungscharakter, auch das hat schnell über Grenzen gehen, das hat was von Übersehen, dass ein Lächeln nicht bedeutet, mir geht es gut.
00:46:22: Ich
00:46:23: finde, ich weiß nicht, also da kann ich bestimmt nicht für alle Lehrkräfte sprechen, das ist wirklich meine persönliche Erfahrung.
00:46:28: Mit der Zeit kriegt man ein Gefühl dafür, ob jemand... Sofort schalte mache ich auf jeden fall sofort.
00:46:36: oder kann ich noch dem helfen?
00:46:37: kann ich noch dem helfen?
00:46:38: kann ich noch ihr helfen und.
00:46:40: Vielleicht ist aber auch meine neue Divergenz dass ich irgendwie ein schiefes Gefühl.
00:46:43: irgendwann krieg ich nicht.
00:46:46: Hey nur dass das klar ist ich bin völlig fein mit dir du zählst hier ganz genauso viel du bist genau so gut und richtig wenn du das nicht machst.
00:46:55: Also nur dass das klar ist ob es um solche Sachen zum Beispiel geht.
00:47:00: oder ob das wirklich ein Kind ist, das vom Charakter her einen wahnsinnig hohen Faktor in diesem Bereich hat und das einfach wirklich, wirklich gerne macht.
00:47:13: Das ist das erste, dass auf dem Schulhof, wenn die ersten Letterfeinden sagen, los, lass uns irgendwie Haufen bauen für die Igel, lass uns das machen.
00:47:21: und dann merkst du richtig, ja, ich mag den Grundschulkontext sehr gern.
00:47:24: Ja, ich werd das.
00:47:26: Und du merkst, Ich finde, mit der Zeit, wenn wir hinschauen und eben in Beziehungen gehen, merkt man schon, ist es einfach der innerste Charakter eines Kindes und du hast schon eine Idee, wo das vielleicht auch in Zukunft, wenn diese Ressource gestärkt wird und auch als Stärke formuliert wird, wenn die sein darf.
00:47:41: Es gibt Kinder, die das wahnsinnig, wahnsinnig gerne machen, die das erfüllt.
00:47:45: Und ich finde schon, dass man mit der Zeit den feinen Unterschied dazwischen merkt.
00:47:50: Aber das quasi darauf zu setzen fachlich ist schwierig, sozusagen deswegen immer der Impuls guckt da genau hin.
00:47:56: Aber ich finde, man merkt es mit der Zeit.
00:47:57: Ja, vielleicht ist mein Ranking ja auch nicht, wie scheiße finde ich die Methode.
00:48:01: Ja.
00:48:01: Sondern mein Ranking ist ja, wie viel Gefahren Potenzial steckt da drin.
00:48:06: Genau darum geht
00:48:07: es.
00:48:07: Deswegen sind zwei und drei auf jeden Fall so ein gutes, wir kommen darauf an.
00:48:10: Ja.
00:48:11: Aber aufpassen.
00:48:12: Genau, genau.
00:48:13: Wie doll muss ich darauf schauen?
00:48:15: Kommen wir doch mal zum Platz eins.
00:48:18: Die Verhaltensampel.
00:48:19: Und jetzt mal ganz provokant gefragt.
00:48:22: Warum bringe ich die Verhaltensampel in so einem Kontext rein?
00:48:24: Weil also ganz im Ernst, die Kinder, die irgendwie wahnsinnig auf die Vereinbarungen, auf die Regeln schauen, die immer da sind und hilfsbereit sind.
00:48:32: Was haben die denn bitte bei einer Ampel zu befürchten?
00:48:34: Warum das auf die Eins?
00:48:35: Ja.
00:48:36: Also erstmal, weil ich die Abgrundtiefscheiße finde.
00:48:38: So, ich finde es mega, mega bescheuert.
00:48:42: Und ich habe vor dreieinhalb Jahren auf Instagram laut gesagt, das war der größte Shitstone meines Lebens, ich habe laut gesagt, wer die Ampel verwendet hat, Pädagogik nicht verstanden.
00:48:51: So, was ich aber auch dazu sagen möchte, das ist mir wirklich wichtig, ich bin ja pro Lehrkräfte und pro Eltern und pro alles, ne?
00:49:01: Ich verstehe... Unfassbar gut, glaube ich, über die letzten zwölf Jahre Seminare in Schulen, woher der Wunsch und der Impuls nach einem funktionierenden System kommt.
00:49:11: Also ich habe äußerst viel Verständnis, wirklich ganz, ganz doll, das Lehrkräfte unbedingt für dieses enge System, was es da gibt, irgendetwas Handhabbares brauchen und die Ampel ist das naheliegendste.
00:49:24: So, das ist mir total wichtig, das heißt Verständnis, Liebe und Wertschätzung für alle Menschen, die das trotzdem verwenden, aus der Verzweiflung heraus keine Alternative zu haben.
00:49:34: Das ist mir wichtig an der Stelle.
00:49:36: Und trotzdem macht es die nicht besser.
00:49:40: Es gibt keinen Szenario, keines, in dem aus dieser Ampel irgendein messbarer Lerneffekt entsteht.
00:49:48: Der messbare Lerneffekt, den es gibt, bewegt sich im Rahmen von Konditionierung und die ist kurzfristig.
00:49:54: Ich setze ihn mal auf Rot, dann macht es, oh mach ich nicht wieder, das hält sieben Minuten.
00:49:59: Weil es sind ja immer die drei selben Kinder auf Rot.
00:50:02: Also wenn bei dir jeden Tag die drei selben Kinder auf Rot sind, dann muss doch in einem vernünftig denkenden Mensch der Impuls wach werden, das scheint ja gar nicht zu funktionieren.
00:50:12: Geht ja gar nicht.
00:50:14: Deswegen.
00:50:15: Aber warum hier in diesem Kontext die Ampel?
00:50:18: Ich glaube, du möchtest darauf hinaus, dass... die natürlich auch einen Druck erzeugt.
00:50:26: Also diese Ampel, die da vorne hängt, auch wenn diese Kinder immer auf grün bleiben, verspüren die ja trotzdem den Druck, alles machen zu wollen, damit sich das auch nicht ändert.
00:50:38: Das heißt, ohne diese Ampel, ohne dieses plakative Zeichen, wäre der Druck vielleicht auch da angepasst zu wollen, aber vielleicht gar nicht so groß, vielleicht gar nicht so offen zur Schau gestellt, vielleicht nicht so plakativ, vielleicht nicht so in jedem Moment präsent.
00:50:54: Und was mich an dieser Ampel wirklich auf fachlicher und pädagogischer Ebene stört und menschlich als Papa noch mal einen riesen Knick gemacht hat, meine Tochter ist ein liebes Kind so.
00:51:06: Also alle sagen mal, wenn ihr die irgendwo mithin bringst, stört ja niemanden.
00:51:09: Und nicht weil sie nicht stört, sondern weil sie nicht im Gespräch ist und so weiter.
00:51:11: Also wirklich ein tolles Kind, beide meine Kinder, glaube ich ganz fest.
00:51:15: Und es gab eine ganze Zeit lang in ihrer Grundschulklasse, ich möchte auch da niemanden auf die Füße treten, falls jetzt eine Lehrkraft das hört.
00:51:21: Also okay, weiß ich.
00:51:24: Meine Tochter ist nie, nie auf gelb oder auf rot.
00:51:29: Never.
00:51:30: Außer an einem Tag.
00:51:32: So, da gab es wohl eine Aufgabenstellung.
00:51:34: Ich kann jetzt auch nur Hörnsagen berichten.
00:51:35: Es gab eine Aufgabenstellung.
00:51:37: Und dann hat sie sich wohl mit ihrer Nachbarin ein paar Minuten zu lange darüber unterhalten, wie das jetzt funktioniert.
00:51:42: Und dann kam die Lehrerin, hat das als Quatschen interpretiert und hat meine Tochter auf gelb gesetzt.
00:51:47: Dann war Ruhe im Bums.
00:51:50: Also erstmal Zweck erfüllt, könnte man denken.
00:51:53: Was aber?
00:51:54: Zu Hause passiert ist, dass meine Tochter Rotz und Wasser geheult hat den ganzen Abend und bei uns im Bett geschlafen hat.
00:52:04: So, die kommt nie wieder auf gelb, aber nicht weil sie was gelernt hat, sondern weil sie Angst hat.
00:52:10: Ich verstehe, woher die Idee nach der Ampel kommt.
00:52:12: Aber sie hat null messbaren Impact, die richtet mehr Schaden an, als sie hilfreich ist.
00:52:18: Die Nachteile überwiegen die wenigen, wenigen Vorteile.
00:52:21: Und das ist was, was ich auch ... hab ja auch wirklich einen langen Prozess damit.
00:52:26: Ich hab das am Anfang genutzt, dann dachte ich, also mit Strafen, wie gesagt.
00:52:30: Ich habe, glaube ich, in dem Kontext nie benutzt.
00:52:32: Ich habe Hausaufgaben, war damals bei uns Hausaufgaben, Sheriff.
00:52:35: Oh Gott, wirklich, das ist mir bis heute so peinlich.
00:52:38: Aber das war damals das Ding im Referendariat.
00:52:41: Und du fängst an, du weißt, du wirst hier nochmal benotet.
00:52:43: Also machst du den Kram mit und dachte, ja, klar, man muss irgendwie sichtbar machen, wer hier die Hausaufgaben nicht hat.
00:52:48: Deswegen schneiden wir mal schön eine Ecke vom Sheriffstern ab.
00:52:50: Und wenn der Sheriffstern ganz keiner zacken mehr hat, dann müssen wir natürlich den Eltern Bescheid sagen.
00:52:55: Also wirklich, ne?
00:52:55: Deswegen, ich sage das ganz oft, weil ich bin auch nicht... aufgewacht und gesagt, ich bin eine Lehrkraft.
00:53:02: Ich spüre es tief in mir und ich mache sofort alles richtig.
00:53:04: Ich habe den größten pädagogischen Mumpitz gemacht.
00:53:07: Nehm ich mich auch nicht aus.
00:53:08: Ja, und das ist wirklich bestimmte Dinge, so eine bestimmte Grenze hatte ich, würde ich sagen.
00:53:13: Ich habe, wie gesagt, sofort einen Belohnungssystem gehabt und eben kein Bestrafungssystem und dachte, na wenigstens das, ne, weil Belohnung ist doch was Gutes.
00:53:20: Und dann dachte ich irgendwann, nee, warte mal, irgendwie, also auch das funktioniert ja irgendwie nur sehr begrenzt und ich muss immer größere Geschütze auffangen, damit es überhaupt... Also, ne, das ist ein langer Prozess und den habe ich durch und ich habe vollstes Verständnis, dass man nicht immer die Ressourcen hat, nicht immer die Kraft, nicht immer die Sicherheit, sagen, alles klar, ich nehme das Ding ab, reicht jetzt.
00:53:39: Da bin ich ebenso bei dir.
00:53:41: Und ich habe aber ganz lange in dieser Begründung für, beziehungsweise in meinem Fall gegen die Ampel, auf die Kinder geguckt, die da eben immer auf Rotland und die natürlich damit ein Riesenthema haben.
00:53:53: Das will ich auch nicht kleinreden.
00:53:55: Ich habe aber gar nicht auf die geguckt, für die ich dachte, ja, gut.
00:53:59: Die stehen da jetzt als Name auch mit in der Liste, weil ich kann ja nicht, also das war mir schon klar, ich kann nicht nur drei Namen dahinschreiben und immer gucken, wann die denn nun sich nicht so verhalten, wie das jetzt im Schulkontext erwartet werden würde.
00:54:11: Ich muss ja erst mal alle hinschreiben.
00:54:13: Das ist ja fair.
00:54:15: So waren dann meine Gedanken.
00:54:17: Und ja, die, die Paar, die da nicht zu befürchten haben oder der Großteil, der nicht zu befürchten hat, sagen wir mal, wie es ist.
00:54:24: Für den ist das ja egal, ne?
00:54:25: Ich mach das ja eigentlich für, wie du sagst, für die drei, vier Kinder, wo ich denke, wir müssen irgendwie an einer guten Gruppendynamik zum Beispiel arbeiten.
00:54:35: Und ich hab so lange nicht im Blick gehabt, dass das für diese Kinder so ein unfassbarer Stress sein kann.
00:54:44: Solche Ängste... sich bilden können bis hin zu wirklichen Fachängsten, Schulängsten.
00:54:51: Das darf man nicht unterschätzen, was das gerade bei den Kindern, die ja... Das ist nicht gut.
00:54:56: Aber die erst mal ganz oft ihren gesamten Selbstwert daran hängen, dass sie sich gut verhalten.
00:55:01: Wenn ich mich gut verhalte, bin ich gut, dann werde ich gemocht, dann habe ich keine Probleme, dann spricht mich keiner an.
00:55:06: Wenn sich das alles darum dreht, wie gesagt, das ist auch keine gesunde Dynamik, würde ich sagen, aber nun ist die ja nun mal so.
00:55:12: So sitzen diese Kinder da.
00:55:14: Und wenn ich dann etwas aufhänge, sichtbar für alle, wo die Gefahr besteht.
00:55:22: Ob ich die so einschätze als Lehrkraft nicht, aber die ist erst mal faktisch da, dass sie runterrutschen und in dem Moment auch ihr gesamtes Selbstwert mit, der ihr gesamtes Selbstwert mit runterrutscht, habe ich, also da setze ich eine Dynamik frei, die ich eben nicht im Außen beobachten kann.
00:55:38: im besten Fall kriegen das Eltern noch mit und können agieren.
00:55:42: Im schlimmsten Fall kriegt es gar keiner mit.
00:55:44: Und es wird irgendwo ganz, ganz tief hin weggepackt, irgendwo wo es dann eben erst, wie du so schön am Anfang gesagt hast, in der Pubertät wieder hochkommt und man denkt, hoppala, was ist denn jetzt los?
00:55:53: Deswegen ist mir so wichtig, wirklich auch zu sagen, wir sind da nicht immer nur bei den Kindern, die dann da mit ihrer Self-fulfilling prophecy und die dann den Scheinwerfern noch kriegen, sondern auch bei denen, die wir dabei ganz oft gar nicht bedenken.
00:56:05: Und das war was, was ich wirklich sehr... lernen musste mit der Zeit, dass das auch auf diese Kinder manchmal sogar viel mehr einen Impact hat, weil die anderen, den Satz habe ich mal gelesen und fand ihn irgendwie auf makabere Art und Weise bezeichnend, die Kinder, die da ständig auf Rot sitzen, sehen das irgendwann an wie ein Teil von Kriegsführung.
00:56:27: Okay, du setzt mich mal auf Rot, dann bin ich immer Rot, pass mal auf.
00:56:32: Und da kommen wir in eine Dynamik, das ist auch nochmal ein eigenes Thema für sich.
00:56:36: Aber wirklich, wirklich nachhaltig, ganz, ganz tiefen Schaden kann das auch für die anrichten oder gerade für die, die wir überhaupt nicht im Blick haben.
00:56:45: Ja, also zwei Impulse dazu.
00:56:48: Impuls Nummer eins.
00:56:50: weil ich weiß, was in den Kommentarspalten stehen wird, da wird's verstehen, ja, aber was ist denn jetzt die Alternative?
00:56:55: Wenn ich die weglasse, das steht ja immer darunter.
00:56:56: Also wenn ich das Plakativ ins Instagram schreihe, dann kommt, ja, aber jetzt sag mal, was die Alternative ist.
00:57:01: Denn du hast ja gar nicht gesagt, was man deswegen, was man dann da aufhängen soll.
00:57:04: Es
00:57:04: gibt keine Alternative.
00:57:07: Es gibt keine.
00:57:08: Es gibt keine Methode.
00:57:11: Das ist total wichtig zu verstehen, weil pädagogik bedeutet individueller Blick auf individuelle Ressourcen.
00:57:17: Das heißt, Du musst Beziehungsarbeit leisten und dann wirst du schon für das Kind rausfinden, was das Kind braucht, damit es nicht auf Rot käme.
00:57:24: Ja.
00:57:25: Das ist der Punkt.
00:57:26: Und jede Methode, jedes Tool, was du dir wieder überlegst, würde an den gleichen Kriterien scheitern wie die Ampel.
00:57:32: Nämlich eben, dass sie versucht, etwas zu sein, was für alle gültig ist, für alle irgendwie Lernen kreiert.
00:57:37: Und das ist nicht der Fall.
00:57:39: So.
00:57:40: Das heißt, mach dir bitte keine Mühe nach einer Alternative zu suchen.
00:57:43: Du, du bist die Alternative.
00:57:46: Deine Haltung, dein individueller Blick und der kostet bitte nicht mehr Zeit.
00:57:50: Das haben wir vielleicht schon mal angeteasert heute.
00:57:53: Und der zweiten Impuls ist eine Frage.
00:57:55: Jetzt hatten wir die Ampel auf eins, aber du hast ja gesagt Belohnungssysteme und Ampel.
00:58:00: Willst du noch noch irgendwas zum Belohnungssystem haben?
00:58:03: Bitte.
00:58:03: Okay, also erst mal jedes Belohnungssystem funktioniert besser als ein Bestrafungssystem.
00:58:07: Punkt.
00:58:09: Das ist erst mal gut.
00:58:10: Das heißt, wenn du dich als Lehrkraft schon positioniert hast und hast gesagt, Okay, Ampel ist Bestrafung, funktioniert nicht, macht keinen Lerneffekt.
00:58:18: Und ich bin dagegen, ich brauche aber noch irgendwas und du hast dich für ein Belohnungssystem entschieden.
00:58:22: Danke dafür.
00:58:23: So, herzliches Danke.
00:58:26: Gleichzeitig, vielleicht einmal als Idee.
00:58:29: Lernen und nachhaltige Veränderung funktioniert anders.
00:58:31: Wir lernen über das Erleben von Konsequenzen.
00:58:35: Damit meine ich nicht Bestrafung oder du musst sauber machen, wenn du was umgekippt hast, sondern Konsequenz bedeutet ja erstmal im natürlichsten Sinne Lernen durch Erfahrung, Lernen durch den Abgleich, Lernen aus der aktuell hervorgehenden Folge meines Handelns.
00:58:49: Und das kann ja auch was Schönes sein.
00:58:50: Das bedeutet erstmal Konsequenz.
00:58:53: Konsequenzen führen ja dann zum Lernen, wenn sie emotional und rational verpackt werden.
00:58:56: Das heißt, wenn du als Lehrkraft willst, dass ein Kind etwas lernt, dann pack es in eine Geschichte.
00:59:02: damit sich alle was vorstellen können.
00:59:05: Und Lernen funktioniert ja immer nur dann, wenn die Konsequenz in einem ganz, ganz kleinen Zeitfenster erfolgt.
00:59:11: Ich sage immer so ganz plakativ so L mal zwei gleich M, das ist das Lebensalter des Kindes mal zwei in Minuten.
00:59:17: Also wenn du ein achtjähriges Kind hast und du willst, dass es aus einer Konsequenz etwas lernt, dann hast du sechzehn Minuten Zeit, die erfolgen zu lassen.
00:59:24: Sonst gibt es ja überhaupt keine Verknüpfung im Gehirn zwischen Verhalten und Konsequenz.
00:59:28: Das Problem ist, dass es in Schule fast unmöglich, weil dafür hast du wirklich kaum die Zeit.
00:59:34: Daraus darf aber der Gedanke resultieren, dass diese Murmelgläser zum Beispiel.
00:59:38: Erst mal ein schöner Gedanke sind, aber überhaupt nicht zu lernen führen können, weil die Kinder manchmal über einen Monat irgendwie Murmeln sammeln müssen.
00:59:46: Und wenn das Glas voll ist, dann gibt es einmal Hausaufgaben frei.
00:59:48: Die Idee nochmal ist besser als alles andere.
00:59:52: Aber frag die Kinder doch mal, wofür war denn deine erste Murmel?
00:59:55: Und wenn die das nicht wissen?
00:59:58: dann ist das ein Indiz dafür, dass hier kein Lernen stattfindet, sondern eher eine Konditionierung.
01:00:02: Und das ist immer noch besser als eine Bestrafung, aber halt auch nicht das Gelbe vom Ei.
01:00:05: Ich
01:00:05: finde da, wo es in eine kurzfristige Visualisierung geht.
01:00:08: Diese Murmelgläser, wenn ich die innerhalb einer Stunde habe und weiß ich nicht, drei, vier, fünf schöne Momente sammle, die da reinpacken, vielleicht auch kurz verbalisiere, oder ich habe zum Beispiel wirklich bei mir fest verankert, mindestens eine gute und ausreichende Reflexionsphase am Tag.
01:00:26: Klassenlehrkraft natürlich, einfach eine zeitliche andere Ressource, als man als Fachlehrkraft hat.
01:00:31: Aber ich versuche auch, meine Fachunterrichte so zu planen, dass wir am Ende immer noch mal einmal zusammenkommen.
01:00:37: Und wenn ich nur den Satz sage, ob es dir was mir heute ganz besonders gut gefallen hat, dieser Moment, der hat sich für mich richtig gut angefühlt.
01:00:43: Wie war's denn für euch?
01:00:45: So was zum Beispiel.
01:00:46: Und auch da die Kinder mit einem holen, denn die Kinder haben nicht die Verantwortung, mir einen guten Tag zu machen, sondern wenn überhaupt eher andersrum.
01:00:54: Aber ich kann ja trotzdem sagen, hey, also für mich war das eine richtig tolle Stunde.
01:00:59: Wie war es denn für euch?
01:01:00: Und dann finde ich so eine kurzzeitige Visualisierung, dann sind wir auch... So halbwegs in so einem Time-Slot, den du da beschrieben hast, dass man sagt, okay, stimmt, da war der Moment.
01:01:09: Und das war eigentlich total schön heute.
01:01:11: Was war denn, wie sind wir denn da hingekommen, dass das heute irgendwie so ganz harmonisch miteinander war zum Beispiel?
01:01:16: Dann finde ich das auch wichtig.
01:01:18: Aber dann ist es fast nicht mehr so ein Belohnungssystem.
01:01:21: Dann sage ich, dann sind das eher so Visualisierungsmethoden, um die Momente, die gelingenden Momente zu visualisieren.
01:01:27: Und das gelingende Momente sind ja Belohnungen per See, aber nicht in Form eines Gummibärms.
01:01:33: sondern mit einem guten inneren Gefühl aus wir.
01:01:36: haben es heute zusammen geschafft, den und den Moment zu kreieren.
01:01:40: Wie geil ist das?
01:01:41: Ja, und dann darfst du das ... Du darfst ja von mir aus dann auch diese schönen Momente in Form von Steinen, die es dann irgendwie gibt, was ich ... Du erzählst, das hat mir gut gefallen, dafür sammeln wir ein Stein im Glas so.
01:01:52: Das ist doch alles in Ordnung.
01:01:53: Das ist wundervunderschön.
01:01:54: Oder jedes Kind darf sein eigenes Glas haben.
01:01:56: Wichtig ist, jedes Kind kriegt am Tag einen schönen Moment.
01:01:59: Egal, wie schlimm es war, jedes Kind kriegt diesen schönen Moment.
01:02:03: Das ist deine Verantwortung als Lehrkraft, einen schönen Moment an diesem Kind zu finden.
01:02:06: auch wenn es anstrengend war.
01:02:07: Jedes Kind macht irgendetwas gut.
01:02:09: Aber immer, wenn du dieses Murmelglas dann irgendetwas knüpft, so, und wenn das voll ist, dann machen wir.
01:02:16: Dann kriegt das eine Dynamik und ab dann haben wenige Kinder Verantwortung für viele.
01:02:20: Also tischweise Murmelglaser Katastrophe.
01:02:22: Ja, ja, ja, das ist, also ich hatte gerade eine Folge zum Thema Mobbingstrukturen.
01:02:29: Da spielt das definitiv eine Rolle.
01:02:31: Also wenn du es einfach nur sammeln möchtest, um zu zeigen, wie toll wir alle sind.
01:02:35: Mega.
01:02:35: Richtig gut, aber immer wenn du es für etwas machst, dann ist es zu hinterfragen.
01:02:38: Und ich finde an der Stelle, um einen guten Abschluss zu finden, merkt man, dass wenn wir, das hat man.
01:02:43: in der Folge finde ich gut gemerkt, wenn wir uns bestimmte Kindertypen angucken und dann da in die Ebenen höher gehen, was braucht es, um diesen Kindern gerecht zu werden, sind wir ganz schnell bei Dingen, die am Ende für alle Kinder wertvoll sind.
01:02:55: Wenn ich solche Systeme hinterfrage, dann profitieren die davon, die eigentlich auf den ersten Blick damit gar keine Schwierigkeiten haben in unserer Wahrnehmung.
01:03:04: Es profitieren aber natürlich natürlich auch die davon, die da immer wieder anecken.
01:03:07: Das heißt, da ist noch mal ganz wichtig, wenn wir uns einzelne Kindertypen angucken, dann kommt dabei nicht raus.
01:03:13: Für die Kinder muss ich das Konzept fahren, für die Kinder muss ich das Konzept fahren, für die Kinder muss ich das Konzept fahren.
01:03:18: Und am Ende bin ich bei twenty-fünftausendfacher Differenzierung, zwanzig Konzepte für thirty-fünf Kinder und mir platzt der Kopf.
01:03:25: Sondern es ist ein wann immer ich über verschiedenste Kinder.
01:03:29: die wir da sitzen haben, sprechen traumatisierte Kinder, diese angepassten Kinder, neurodivagente Kinder und und und und.
01:03:36: Dann kommt am Ende dabei raus, dass es doch immer die gleichen Dinge sind, die für alle wertvoll sind.
01:03:41: Und das finde ich an dieser Stelle wieder einmal ein ganz, ganz wichtigen Impuls für Lehrkräfte.
01:03:46: Es sind nicht die dreitausend Konzepte, sondern es ist Haltung, es ist Beziehung, es ist Hinschauen und es ist, wenn wir in der heutigen Folge sind, die Frage, sag mal.
01:03:55: Ich habe dich lange nicht gefragt, du hast es damals formuliert, das habe ich mir aufgeschrieben.
01:03:59: Es hängt als Posted oder hing als Posted tatsächlich an meinem Pult.
01:04:03: Hey, ich habe dich lange nicht gefragt, wie geht es dir eigentlich?
01:04:06: Und mit diesen Worten würde ich diese Folge beenden.
01:04:10: Raphael, ich danke dir sehr für deine Zeit und deine Expertise zu diesem Thema.
01:04:15: Mir war es wichtig, eben auch da den Raum mal aufzumachen für die Kinder, die sich so wenig trauen oder auch einfach charaktertechnisch so wenig Raum einnehmen.
01:04:25: Und wenn das bei euch auch dafür sorgt, dass ihr wie ich diese Kinder ab da jetzt ein bisschen mehr auf dem Radar habt, dann macht ihr schon einen ganz, ganz wertvollen Unterschied.
01:04:34: Deine Mission, dein Angebot, deine Webseite, deinen Podcast, den ich ja sowieso immer sehr, sehr oft empfehle, den verlinke ich in den Show-Nutz und auch eine Folge zum Thema Ampelsystem aus meinem uralten Podcast.
01:04:46: Da zitiere ich auch dich ein paar Mal.
01:04:50: Das ist eine schöne Verbindung.
01:04:51: Das verlinke ich alles.
01:04:53: Schaut euch da oben.
01:04:54: Hört diesen Mann zu.
01:04:55: Es lohnt sich.
01:04:56: Und vielleicht sprechen wir uns ja noch mal zu einer Folge.
01:04:58: Wir haben es am Anfang schon gesagt.
01:05:00: Es gibt dieses große Thema Unterrichtsstörung.
01:05:02: Wer weiß, ob das in der Zukunft vielleicht noch mal ein Thema ist.
01:05:06: Kann ich auch.
01:05:07: Ja, vorrangig vor allen Dingen.
01:05:08: Für heute war es das aber erst einmal.
01:05:10: Und ich freue mich auf die nächste Folge.
01:05:13: Bis dahin.
01:05:14: Ciao.
01:05:16: Und zu guter Letzt natürlich noch ein herzliches Dankeschön an Jakob Jens und VoiceUp Productions für die Bearbeitung und die Produktion dieser Folge.
01:05:28: Ein Kopf voll
01:05:29: Gold,
01:05:30: was Neurodivagente Kinder brauchen und wie wir sie stärken können.
01:05:36: Ein Kopf voll Gold!
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