71. Gold to Go – 6 Sätze über neurodivergente Kinder, die wir uns genauer anschauen sollten
Shownotes
„Das haben doch heute alle!“
„Früher hat es das auch nicht gegeben.“
„Das kommt vom ganzen Medienkonsum.“
„Aber das muss das Kind doch auch mal lernen.“
„Ihr müsst einfach konsequenter sein.“
„Also bei mir macht das Kind das nicht.“
Eltern neurodivergenter Kinder begegnen solchen Sätzen immer wieder. Und meistens stecken dahinter nicht mal böse Absichten, sondern einfach Vorstellungen über ADHS, Autismus und Neurodivergenz, die sich hartnäckig halten. In dieser etwas besonderen Gold-to-Go-Folge schauen wir uns sechs dieser Aussagen genauer an: Was wissen wir heute über die Entstehung von ADHS und Autismus? Gab es Neurodivergenz wirklich „früher nicht“? Was sagt die Forschung über Medienkonsum und ADHS? Und warum kann sich ein neurodivergentes Kind bei Oma, in der Schule oder zu Hause vollkommen unterschiedlich zeigen?
Eine Folge zum Weiterleiten, gemeinsamen Anhören und vielleicht auch als Ausgangspunkt für das eine oder andere gute Gespräch.
Hier findet ihr wissenschaftliche Literatur zu den in der Folge angesprochenen Themen:
🔗 Palmer, E. D. & Finger, S. (2001): An Early Description of ADHD (Inattentive Subtype): Dr Alexander Crichton and “Mental Restlessness” (1798). Child Psychology and Psychiatry Review, 6, 66–73. Historische Einordnung von Alexander Crichtons Beschreibung von Aufmerksamkeitsproblemen aus dem Jahr 1798.
🔗 Ssucharewa, G. E. / Wolff, S. (1996): The first account of the syndrome Asperger described? European Child & Adolescent Psychiatry, 5, 119–132. Englische Übersetzung und Einordnung von Grunya Sukharevas 1926 veröffentlichter Beschreibung von Kindern mit Merkmalen, die heute dem Autismus-Spektrum zugeordnet werden.
🔗 Ra, C. K. et al. (2018): Association of Digital Media Use With Subsequent Symptoms of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Among Adolescents. JAMA, 320(3), 255–263. Die in der Folge angesprochene Längsschnittstudie mit Jugendlichen: Häufigere Nutzung digitaler Medien war mit später auftretenden ADHS-Symptomen assoziiert. Die Studie erlaubt ausdrücklich keinen Schluss darauf, dass Medienkonsum ADHS verursacht.
🔗 Faraone, S. V. & Larsson, H. (2019): Genetics of attention deficit hyperactivity disorder. Molecular Psychiatry, 24, 562–575. Übersichtsarbeit zur starken genetischen Komponente von ADHS; Zwillings-, Familien- und Adoptionsstudien ergeben eine geschätzte Erblichkeit von rund 74 %.
🔗 Hoogman, M. et al. (2017): Subcortical brain volume differences in participants with attention deficit hyperactivity disorder in children and adults: a cross-sectional mega-analysis. The Lancet Psychiatry, 4(4), 310–319. Große internationale ENIGMA-Analyse bildgebender Daten, die im Gruppenvergleich subtile strukturelle Unterschiede verschiedener subkortikaler Hirnregionen bei ADHS zeigte.
🔗 Cook, J., Hull, L., Crane, L. & Mandy, W. (2021): Camouflaging in autism: A systematic review. Clinical Psychology Review, 89, 102080. Systematischer Review zum sogenannten Camouflaging bzw. Masking bei autistischen Menschen – also Strategien, mit denen autistische Merkmale und Schwierigkeiten in sozialen Situationen verborgen oder kompensiert werden.
🔗 Halsall, J., Clarke, C. & Crane, L. (2021): “Camouflaging” by adolescent autistic girls who attend both mainstream and specialist resource classes: Perspectives of girls, their mothers and their educators. Autism, 25(7), 2074–2086. Untersuchung von Masking bei autistischen Mädchen aus der Perspektive der Jugendlichen selbst sowie ihrer Eltern und pädagogischen Fachkräfte.
(Disclaimer: Viele wissenschaftliche Veröffentlichungen verwenden weiterhin eine stark medizinisch bzw. defizitorientiert geprägte Sprache für ADHS und Autismus. Ich verlinke sie aufgrund ihrer fachlichen Inhalte und Forschungsergebnisse; die dort verwendete Sprache entspricht nicht zwangsläufig meinem Verständnis und meiner Verwendung des Begriffs Neurodivergenz.)
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Transkript anzeigen
00:00:00: Hi und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Gold to Go.
00:00:03: Hier kläre ich kurz und prägnant über verschiedenste, aber eben hier mal einzelne Aspekte rund um Neurodivergenz auf oder beantworte auch häufig gestellte Fragen mal ganz fokussiert.
00:00:15: Und diese heutige Folge ist ein bisschen besonders, denn sie wurde sich von meiner Community schon sehr, sehr oft gewünscht!
00:00:24: Immer wieder kam so die Frage Kannst du nicht meine Folge machen?
00:00:28: Die wir dann einfach so weiterleiten können an Menschen in unserem Umfeld, die uns eigentlich wirklich wichtig sind, die aber vielleicht noch nicht so viel über Nauro, die wir ganz wissen und bei denen halt deshalb auch gerne mal so Sätze fallen Bei denen man dann so denkt, puh da müsste und würde ich eigentlich gerne mal in Ruhe aufklären.
00:00:47: Aber es ist so in unserer zwischenmenschlichen Beziehung gar nicht so leicht, da immer diesen aufklärerischen Part zu übernehmen.
00:00:54: oder mir fehlen vielleicht auch die Worte dafür ... Oder ich bin vielleicht doch gar nicht gerade emotional ruhig genug dafür.
00:01:04: Kannst du so etwas vielleicht einmal aufnehmen?
00:01:13: Voll Gold.
00:01:15: Was Neuro-Divagente Kinder brauchen und wie wir sie stärken können.
00:01:23: Vielleicht bist du deshalb auch genau?
00:01:26: Aus diesem Grund heute hier vielleicht hörst du diesen Podcast zum allerersten Mal, weil dir ein lieber Mensch diese Folge geschickt hat.
00:01:34: Vielleicht bist du ein Großelternteil eines neurodivergenten Kindes Oma Opa?
00:01:40: Vielleicht Tante, Onkel, Freund, Freundin oder eine andere wichtige Bezugsperson.
00:01:45: und vielleicht hat dieses Kind ADHS ist autistisch liegt im PDA-Profil oder bringt eben andere neurodivagente Form mit.
00:01:55: Und natürlich erwartet niemand von dir, dass du deswegen automatisch all das weißt was es darüber zu wissen gibt.
00:02:02: Ich selbst beschäftige mich sehr viel damit und weiß sicherlich auch noch nicht alles was es doch über zu wissen.
00:02:11: Niemand erwartet das von dir.
00:02:13: Und die Eltern dieser Kinder mussten sich dieses Wissen auch selbst in der Regel erst mühsam erarbeiten, dem gelesen und recherchiert Gespräche geführt, Diagnostikprozesse begleitet, Dinge ausprobiert wieder verworfen und über die Monate und Jahre ihr Kind und seine Bedürfnisse immer besser zu verstehen gelernt.
00:02:35: Das ist ja auch ein bisschen Teil des Elternjobs, aber in diesem Fall eben noch mal ganz besonders wichtig.
00:02:41: Weil die Bedürfnisse eben oft ein bisschen anders aussehen können als man das vielleicht so kennt sagen wir es mal so.
00:02:51: und diese Eltern das weiß ich aus eigener Erfahrung denn ich bin auch Elternteil mehrerer neurodivergenten Kinder die fühlen sich damit oft sehr allein und darum ist ihnen unglaublich daran gelegen dich mit ins Boot zu holen weil du ihnen wichtig bist und vor allem, weil du diesem Kind sehr wichtig bist.
00:03:11: Und in irgendeiner Art und Weise eine wichtige Verbindung zu ihm
00:03:14: hast.".
00:03:18: Ich habe für diese Folge jetzt ganz viele Eltern gefragt welche Kommentare und Aussagen rund um neurodivagente Kinder ja ihnen immer wieder begegnen und daraus ist eine ziemlich große Sammlung entstanden und die findet an einer anderen Stelle einmal Verwendung dazu mal an anderer Stelle mehr.
00:03:38: Aber die quasi häufigsten Kommentare habe ich heute mir genommen und ein bisschen vorbereitet.
00:03:44: Und vielleicht wirst du den einen oder anderen Satz hören, und sie denken Ops!
00:03:49: Den hab' ich durchaus schon mal gesagt.
00:03:51: und keine Sorge, ich weiß dass die allermeisten dieser Sätze überhaupt nicht in böse Absicht fallen.
00:03:58: Viele... Davon hat man einfach für sich so übernommen, kennt man von früher oder sie gelten eben in einem gewissen Konsens als selbstverständlich.
00:04:07: Oder Sie klingen auf einer oberflächlichen Ebene auch erst mal durchaus logisch und ich möchte heute sechs dieser Sätze herausgreifen und mit dir gemeinsam ein bisschen genauer hinschauen.
00:04:20: was steckt denn eigentlich dahinter?
00:04:23: Was wissen wir heute darüber über diese Aussagen?
00:04:28: Warum sehen Fachleute oder warum sieht auch die Fachwelt noch divergente Menschen und ihre Familie zum Beispiel deutlich anders als das vor wenigen Jahren der Fall war?
00:04:40: Und ja, das kann an der einen oder anderen Stelle vielleicht ein bisschen unangenehm werden.
00:04:47: Weil es sich nicht immer ganz so schön anfühlt zu merken.
00:04:52: Da hab ich vielleicht nicht immer ganz fair einer anderen Person gegenüber gehandelt.
00:04:56: Aber wir dürfen da ziemlich milde mit uns sein, Irrtümern aufzusetzen und Dinge zu übernehmen, die man einfach mal wieder hört... oder etwas nicht zu wissen, womit man sich bisher auch einfach noch nicht so doll beschäftigen musste.
00:05:08: Das passiert uns einst völlig menschlich und es geht mir oft genauso.
00:05:11: entscheidend ist aber was wir machen wenn wir neues Wissen bekommen oder wenn uns Neues Wissen begegnet?
00:05:17: Dann ist entscheiden sind wieder zu bereit um einen Gedanken nochmal neu anzuschauen und vielleicht doch mal zu sagen oh okay das wusste ich bisher nicht.
00:05:26: dann denke ich doch nochmal anders darüber nach.
00:05:29: ab jetzt.
00:05:30: Und genau dazu möchte ich dich mit dieser Folge einladen.
00:05:36: Denn ich verspreche dir die Menschen, die Vagente Kinder jeden Tag begleiten und das sind vor allem älterliche Bezugspersonen aber eben auch diese Kinder selbst.
00:05:45: Die werden es dir von Herzen danken!
00:05:48: Es kann aber auch sein dass du diese Folge aus eigenem Interesse jetzt als ja ein solches Elternteil zum Beispiel hörst und vielleicht kannst du dann für dich diese Antworten auf diese Sätze oder diese Erklärungen zu den Sätzen nutzen, um vielleicht in der nächsten Situation etwas an der Hand zu haben was du dann eben möglichst ruhig anbringen kannst.
00:06:12: So oder so gehen wir mal rein.
00:06:14: schauen wir uns mal den ersten Satz an!
00:06:23: Das haben doch heute alle ist glaube ich so der Klassiker und ich sage es euch Ich bin auch selbst eine neurodivergente Person und einer Hochbegabung.
00:06:35: Und was wären das für eine schöne Vorstellung, wenn es doch wirklich alle so hätten?
00:06:40: Wenn wirklich alle noch einivergehend werden dann wäre nämlich mein Leben und meinen Alltag vermutlich deutlich leichter weil dann wäre ich einmal die Norm und nicht die Ausnahme, die ihr anders seien ständig recht fertigen muss.
00:06:54: Das wär ehrlich gesagt ziemlich traumhaft entspricht aber nicht der tatsächlichen Statistik.
00:07:01: Aktuelle Schätzungen gehen so davon aus, dass etwa fünfzehn bis zwanzig Prozent aller Menschen neurodivagent sind.
00:07:08: Es gibt jetzt nicht eine ganz fest belastbare Zahl.
00:07:11: einfach deshalb weil zum Beispiel neurodivergents ja ganz unterschiedliche Ausprägung umfasst ist gar nicht klar gesagt das gehört dazu und das nicht.
00:07:19: es sind immer noch viele menschen eben vor allen Dingen viele weiblichen Menschen gar nicht diagnostiziert einfach weil die Diagnoseverfahren noch nicht passen, weiß gar nicht genug.
00:07:29: Plätze gibt momentan und und und also da gibt es jetzt nicht so eine ganz klar feste Zahl.
00:07:35: Fünfzehn bis zwanzig Prozent ist meist die Schätzung, die man hört.
00:07:39: Es kann aber auch nochmal deutlich höher sein.
00:07:41: Da merken wir schon das ist ja trotzdem ein nicht ganz so kleiner Teil.
00:07:46: Also werden wir schon in unserem Umfeld mit gewisser Wahrscheinlichkeit immer wieder Menschen begegnen, die neurodivergent sind.
00:07:53: Also es gibt schon einen deutlichen Prozentsatz in der Bevölkerung.
00:07:58: Das ist also erst mal gar nicht so weit hergeholt, es sind natürlich nicht alle!
00:08:02: Es ist nach wie vor die Minderheit aber eben schon doch eine so große Menge an Menschen das uns häufig begegnet was wir außerdem beobachten können.
00:08:14: Es werden heute deutlich mehr Menschen mit ADHS, Autismus oder eben anderen neurodivagenten Formen diagnostiziert als noch vor einigen Jahrzehnten.
00:08:23: Stimmt also irgendwie auch.
00:08:25: Es gibt mehr diagnostizierte Menschen, aber woran liegt das?
00:08:30: Und ein ganz guter Vergleich dazu ist die Linkshändigkeit ungefähr ab der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts.
00:08:35: Ganz langsam stieg die Zahl der registrierten Linkshänder innen an und das lag nicht daran dass plötzlich einfach so mehr Menschen linkshändig waren oder wurden Sondern das war die Zeit, in der man immer mehr verstanden hat.
00:08:52: Dass es eben unterschiedliche Händigkeiten gibt und wie schädlich es ist, linkshändige Kinder zum Schreiben mit Recht zu zwingen.
00:09:01: Der Umkehr zwang nahm ganz langsam ab.
00:09:04: Ist immer noch im Prozess würde ich sagen.
00:09:05: aber wir wissen ja nun wirklich heute viel viel mehr darüber Die Akzeptanzwuchs des Verständnis- und des Wissenwuchs.
00:09:13: Und dadurch wurden plötzlich viel mehr linkshändische Menschen sichtbar, sozusagen eben weil sie nicht umlernen mussten.
00:09:22: Weil sie als das erkannt wurden und auch das sein durften.
00:09:26: die biologische Häufigkeit linkshändiger Menschen hat sich gar nicht verändert.
00:09:31: nur die Zahl der menschen die eben dann auch linkshändig seien durften als solche erkannt worden.
00:09:38: entsprechende Möglichkeiten für ja dass arbeiten oder schreiben mit der linken hand an die Hand bekam.
00:09:43: im wahrsten Sinne.
00:09:45: Etwas Ähnliches erleben wir gerade bei Neurodeovergänz.
00:09:48: Unser Wissen über ALHS, Autismus und Co entwickelt sich gerade momentan wirklich schnell weiter.
00:09:54: Diagnostik wird deutlich differenzierter – das merkt man auch in der ICD-Elf oder im Umbruch auf ICD Elf.
00:10:02: Wir haben quasi einen Katalog mit allen möglichen medizinischen Diagnosen und aktuell ist dieser Katalog die ICD zehn Und es gibt schon die ICD-F, die ist auch schon quasi sozusagen veröffentlicht und verfügbar.
00:10:21: Aber die ist noch nicht offiziell bindend!
00:10:23: Das wird demnächst kommen.
00:10:25: Dauert aber noch ein Moment.
00:10:26: und da merkt man schon, dass zum Beispiel auf das Autismus-Spektrum viel differenzierter geschaut wird.
00:10:32: Dass es nicht mehr so ganz komisch voneinander getrennt und eine einzelne Formen so unterschieden wird... Es wird deutlich mehr mit einkalkuliert, dass das eben Spektrum ist und dass ich das zwischen weiblichen und männlichen Personen ganz unterschiedlich zeigen kann!
00:10:46: Wir wissen heute ganz viel mehr über das sogenannte Masking.
00:10:49: Masking bedeutet dass man sich ganz doll verstellt, um möglichst nicht aufzufallen.
00:10:57: Um möglichst angepasst durch die Welt zu gehen und das so ein Maß ging gerade wenn es schon eine sehr lange Zeit betrieben wird dazu führt, dass Menschen ein bisschen... noch genauer anschauen muss bei der Diagnose.
00:11:12: Wir wissen wie unterschiedlich eben weibliche und männliche Personen neurodivagentes Verhalten zeigen, gerade Mädchen und Frauen sind jahrzehntelang teilweise komplett durchs Raster gefallen und viele von ihnen bekommen jetzt quasi rückwirkend ihre Diagnos im Erwachsenenalter.
00:11:34: Außerdem kommt noch eine erhöhte Sichtbarkeit hinzu.
00:11:37: Immer mehr Menschen sprechen einfach öffentlich über ihre Neurodivergenz, auch viele berühmte Persönlichkeiten auf Social Media in Podcasts und Büchern.
00:11:45: Die Bücher dazu nehmen deutlich zu!
00:11:48: Und ob da immer alles so fachlich sauber ist, sagen wir drüber streiten gerade im Social-Media Bereich.
00:11:55: Aber diese Sichtbarkeit sorgt eben auch dafür, dass das einerseits als neurotypische Person – das ist sozusagen die Person, die eben nicht neurodivergent ist.
00:12:07: Dass sie immer mehr merken, hör das Thema da!
00:12:09: Ist jetzt wieder jemand mit ADHS hoch?
00:12:12: Hier hat jetzt jemand plötzlich wieder ADHS hier.
00:12:15: Ist jemand autistisch?
00:12:16: Also irgendwie gibt es das ja nur noch.
00:12:17: Das sind ja fast alle mittlerweile und gleichzeitig sorgt das eben auch für ... noch bisher unerkannt neue, divergente Menschen wiedererkennen können und dann auch wieder auf die Idee kommen überhaupt erst mal genauer hin zu schauen was da los sein könnte.
00:12:32: Also es sind trotzdem nicht alle denn die Formel ist eigentlich ziemlich simpel wir haben mehr Wissen, mehr Öffentlichkeit, mehr Sensibilisierung und eine immer differenziertere bessere Diagnostik und das ergibt einfach mehr Diagnosen aber nicht automatisch mehr Neurodivagente.
00:12:53: Menschen sind einfach genauso viele wie es schon immer waren.
00:12:57: Man nennt das Prävalenz, also die Menschen, die Neuro-Divagent sind – das hat sich in der Zahl nicht geändert.
00:13:05: Es gibt einfach nur viel mehr, die wir heute sehen und ich habe gerade heute erst wieder ein Video gesehen und das ist nämlich die eigentliche Frage, die Sie uns stellen müssen.
00:13:13: Nicht mein Gott!
00:13:16: Wo kommen die denn jetzt plötzlich alle her, sondern eigentlich ist es die vielfährare Frage zu stellen.
00:13:22: Oh mein Gott!
00:13:23: Wo waren sie denn die ganzen Jahre davor?
00:13:26: Nämlich in der Regel unerkannt in sehr herausfordernden Lebenssituationen weil ihnen wichtige Antworten über sich selbst fehlten und wahrscheinlich in einer ziemlich leiden Situation mit Leidemonstruck, weil sie eben nicht als das erkannt wurden was sie sind und viele Teile ihrer Persönlichkeit vielleicht in da eben so maskieren versteckt haben.
00:13:52: Und ja diesen Menschen ging es viele Jahre nicht gut und die hat man einfach übersehen.
00:13:59: Das Ferste was wir jetzt machen können ist wenn Sie diese Antworten nun endlich bekommen Ja, mehr Menschen die Neurodivagent sichtbar sind.
00:14:10: Dass wir ihnen nicht dann auch noch diese Antwort klein reden wollen abreden wollen oder irgendwie ja eben nicht.
00:14:19: das wird es nicht ernst nehmen indem wir sagen ach naja das haben doch heute alle nein haben ist nicht.
00:14:25: das wissen wir jetzt.
00:14:26: es gibt genauso viele neurodivergente menschen wie schon immer aber zum glück werden jetzt einfach mehr erkannt Und den können wir einfach aufgeschlossen, gegenüber reagieren.
00:14:37: Ihn offen gegenübertreten und zum Beispiel Fragen stellen wie oh wow!
00:14:42: Wie geht's dir denn jetzt gerade mit dieser Antwort?
00:14:44: Denn für manches ist das ein totales Erleichterungsgefühl und ganz schön.
00:14:48: Für andere ist es erstmal ein ganz schönes Brett und die haben damit zu tun und die müssen sich erst mal sortieren und denen geht vielleicht gar nicht so gut mit diese Antwort im ersten Moment.
00:14:58: Wenn wir in diese Richtung fragen sind wir auf jeden Fall auf einen ganz guten Weg.
00:15:04: Kommen wir zum zweiten Satz.
00:15:06: Früher hat es das doch auch nicht gegeben, dazu möchte ich euch zwei kurze historische Zitate vorlesen.
00:15:14: Das erste Stand vom Arzt Alexander Christian wahrscheinlich?
00:15:19: Ich kann's nicht so gut aussprechen!
00:15:21: Die Unfähigkeit einem einzelnen Gegenstand die erforderliche Beständlichkeit der Aufmerksamkeit zu widmen ist eine Störung mit der ein Mensch geboren werden kann.
00:15:32: Und an anderer Stelle, schrieb dieser Arzt, jede Eindruck scheint diesen Patienten aufzuwühlen und verleiht ihm ein ungewöhnliches Maß an geistiger
00:15:42: Unruhe.".
00:15:43: könnte man denken, oh das ist ja irgendwie doch eine ADHS-Beschreibung.
00:15:48: Das kommt aber nicht aus irgendeiner modernen Diagnosestellung sondern diese Beschreibung stammt aus dem Jahre sevenhundert achtund neunzig ist also doch schon ein paar jährchen her und gilt heute als einer der ersten schriftlichen Beschreibungen dessen was wir eben heute ADHS nennen.
00:16:06: Und das zweite Zitat, dass ich euch mitgebracht habe, stammt aus dem Jahre neunzehntzechsundzwanzig und stammte von der Kinderpsychiaterin Grunja Tsukarewa.
00:16:14: Und sie schreibt alle betroffenen Kinder halten sich vom gleichaltrigen eher fern finden es schwer sich an andere Kinder anzupassen und fühlen sich in deren Gesellschaft nie ganz ihr selbst.
00:16:28: Es gilt als eine der ersten wissenschaftlichen Beschreibungen von Autismus.
00:16:34: Auch Oberleger Stenie wurde bereits im neunzehnten Jahrhundert beschrieben.
00:16:38: Diskalkulier- und motorische Besonderheiten, die wir heute unter Dispraxie zusammenfassen gibt es auch schon in den Aufzeichnungen Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts.
00:16:48: Neurodivergenz ist also nicht neu!
00:16:50: Was neu ist?
00:16:51: Das sind unsere Begriffe dafür, die Möglichkeiten das zu sortieren, in ja bestimmte Musterraster zu packen.
00:17:00: Neu ist unser Wissen darüber und unsere Möglichkeiten darunter oder damit etwas Offizielles... zu diagnostizieren.
00:17:09: Und ja, ich mag den Vergleich mit der Schwerkraft – die gab es ja auch schon ziemlich lange bevor wir sie als solche benennen oder erklären konnten!
00:17:20: Viele Forschende gehen heute davon aus dass neurodivergente Merkmale wahrscheinlich sogar schon seit der Frühsten Menschheitsgeschichte unsere Begleiter sind.
00:17:32: Dazu hat man zum Beispiel, oder dazu forscht man gerade sehr viel das bestimmtes typisches ADHS-Verhalten also was sehr neugieriges, impulsives, exploratives... Also diese Drang auch ich guck mal was da hinten noch so ist unter anderem dafür gesorgt haben kann dass die Menschen diejenigen waren die begünstigt haben neue Nahrungsgebiete erschlossen wurden und damit vielleicht sogar das Überleben der Menschheitsgruppe gesichert haben.
00:18:05: Das ist Forschung, die ist ganz aktuell noch nicht offiziell bewiesen aber es gibt eben jetzt schon in diesen Untersuchungen und Studien und Erhebungen Hinweise darauf dass früher ganz, ganz wichtige und wertvolle Fähigkeiten waren.
00:18:22: Außerdem gibt es auch genetische Befundene.
00:18:25: Wir wissen zum Beispiel das ADHS und Autismus hohe Erblichkeitsraten haben.
00:18:29: also eine Ursache dafür warum ich jetzt Autistin bin oder ADHS habe liegt daran, ganz hohen Erflichkeitsfaktor hat.
00:18:39: Diese Ursache ist eine der wenigen, die schon gesichert ist.
00:18:41: bei vielen anderen Ursachen von Neurodivergens forscht man noch und dieser Genetik-Faktor ist ziemlich hoch.
00:18:49: Und man geht davon aus dass er eben sehr früh existiert haben muss und damit auch NeuroDivergens schon lange Teil der Menschheitsgeschichte ist.
00:18:58: denn man hat diese genetischen Varianten die man bisher schon so raus gefiltert hat und die an diesen neurodivergenten Form beteiligt sind, die lassen sich in Population auf der gesamten Welt finden.
00:19:10: Und das spricht eben dafür dass es eben auch schon eine ganze Weile da ist.
00:19:17: Das heißt doch Neurodivergents hat es früher auch schon gegeben.
00:19:22: Es gab vielleicht einfach nur noch keine Namen und all das Wissen darüber nicht.
00:19:27: Manchmal Und da möchte ich ein bisschen die Hand reichen, kann hinter so einem Satz.
00:19:32: Ja früher hat das auch nicht gegeben.
00:19:34: Auch ein eigener Schmerz stecken und vielleicht ist es ja bei dir so?
00:19:39: Vielleicht bedeutet dieser Satz eigentlich, ja früher hat sich ja auch niemand für meine Schwierigkeiten interessiert oder Ich musste damals auch alleine klarkommen und dann kann es durchaus wehtun zu sehen dass Kinder heute Unterstützung für etwas bekommen womit man selbst ganz alleine zurechtkommen musste.
00:19:56: und vielleicht tauchen, dadurch zusätzlich eben so Fragen auf wie ja was wäre denn eigentlich gewesen wenn auf mich mal jemand zugeschaut hätte oder wenn mir jemand so geholfen hätte.
00:20:08: Oder was wär mir vielleicht erspart geblieben?
00:20:10: Und ich glaube diesen Gefühlen dürfen wir ganz ernst begegnen ohne dass wir das über den Umweg machen anderen Diagnosen und die Unterstützungssysteme dahinter klein zu reden oder abzureden.
00:20:25: Die schönere Schlussfolgerung ist also nicht Ich musste da durch, also musst du da auch durch.
00:20:32: Sondern vielleicht ich musste dadurch wie gut dass wir es heute besser wissen das wünsche ich meinem Enkel Kind meiner Nichte diesem kind Dass eben in Verbindung zu mir steht dem wünschte ich das doch Das ist das jetzt leichter hat und dass es die Unterstützung bekommt Die fairerweise auch ich hätte bekommen sollen aber vielleicht nicht bekommen habe Kommen wir zu einem Satz, der gerade ganz aktuelles ADHS entsteht durch zu viel Medienkonsum.
00:21:05: Ja das kommt aber von diesem ganzen händige Dattel und die Kinder sitzen ja nur noch vor diesen Bildschirmen.
00:21:10: Kein Wunder dass da so viele hebelig werden!
00:21:13: Das ist doch keine adhs, das ist einfach zuviel Fernsehen oder eben zu viel Handy gedattelt.
00:21:20: Und wenn das so wäre, dann hätte es ja in dieser Logik ADHS for YouTube, Netflix, TikTok und Co.
00:21:26: gar nicht gegeben oder gar nicht geben können.
00:21:28: Wir wissen ja haben wir gerade gehört dass ist schon ziemlich ziemlich lange existiert zumindest das was wir heute als adhs beispielsweise einordern würden.
00:21:40: Es lohnt sich trotzdem nochmal einen genauer Blick denn das als Argument wird jetzt wahrscheinlich nicht sehr befriedigend sein.
00:21:46: Starke Mediennutzung steht schon ziemlich lange im Verdacht, ADHS-Merkmalen bei Kindern und Jugendlichen zu verstärken oder eben gar zur Ursache.
00:21:55: Also die Ursache zu sein dafür dass jemand dann ADHS bekommt.
00:22:01: Und es gibt Studien, die einen Zusammenhang finden.
00:22:04: Eine größere amerikanische Untersuchung zeigte beispielsweise das bei Jugendlichen mit besonders intensiver Nutzung digitaler Medien später häufiger neue ADHS-Symptome auftreten konnten oder aufgetreten sind.
00:22:18: Falls ich Studien erwähne, packe ich die alle in die Show Notes und könnt ihr da gerne in Ruhe nachlesen.
00:22:25: ist denn damit jetzt der Fall geklärt?
00:22:27: Nein, denn hier begegnet uns ein Klassiker der Forschung und das ist das Henne-Eye-Problem.
00:22:32: Wir müssen nämlich – und es gilt für ganz viele Bereiche wenn wir uns so mit Pauschalaussagen oder Ürtümern im Kontext noch eine Divergenz auseinandersetzen – wir müssen nämlich unterscheiden zwischen Korrelationen und Kausalität.
00:22:45: Korrelations bedeutet erst mal nur zwei Dinge treten einfach gemeinsam auf!
00:22:51: Und Kausalityt bedeutet dass eine Ding verursacht tatsächlich sehr gezielt das andere.
00:22:59: Und wie schief das laufen kann, wenn man das nicht unterscheiden kann?
00:23:02: Das zeigt zum einen ein klassisches Beispiel und es ist Beispiel von Eiskrim und Sonnenbrand.
00:23:07: im Sommer wird mehr Eis gegessen und gleichzeitig bekommen mehr Menschen Sonnenbrannt.
00:23:13: also diese beiden Dinge treten gleichzeitig gemeinsam auf mehr Eis und mehr Sonnenrand.
00:23:22: Jetzt kann aber nicht die Schlussfolgerung sein, also sie könnte sein.
00:23:25: Aber sie redet dann im Falsch A. Eisessen verursacht Sonnenbrand.
00:23:31: So ist es aber nicht!
00:23:32: Die beiden Dinge treten gleichzeitig auf.
00:23:34: Sie haben aber keine... Also das eine ist nicht der Grund für das andere Denn es gibt hier noch einen völlig anderen dritten Faktor und das sind einfach die Wetterbedingungen, die zu dieser Zeit herrschen Und diese wohl für das Eine als auch für das Andere Sorgen.
00:23:49: Also zwei Dinge treten gleichzeitig auf, sind aber keinesfalls in irgendeiner Art und Weise der Grund für einander.
00:23:56: Und ein ähnliches Problem – das wird sehr oft viel interpretiert und ist auch eine große Kritik in der Interpretation von Fachseite zu sagen, ah!
00:24:05: Auf der einen Seite gab es jetzt irgendwie verstärkte ADHS-Symptome oder eben neue ADHS Diagnosen und auf der anderen Seite verstärkte Mediennutzung.
00:24:14: Wir wissen das starke Mediennutzung und ADHS merkt mal häufiger gemeinsam auftreten.
00:24:20: Wir können aber daraus nicht ableiten, es ist einfach fachlich nicht korrekt dass Medienkonsum oder verstärkte Medienkonzum adhs verursacht.
00:24:30: Es ist sogar in der Vermutung bisher eher andersrum.
00:24:34: Also die Wirkrichtungen könnte auch andersrum sein.
00:24:39: Denn also das man quasi sagt Jemand hat ADHS und darum wendet er sich digitalen Medienfehl eher zu, also dass es quasi eher so rum ist.
00:24:51: Nicht jemand hat das gar nicht!
00:24:53: Und dann daddelt der in Anfangsstrichen ganz viel und Bums bekommt dieser Mensch ADHS sondern andersherum.
00:25:01: ein Mensch hat schon ADHS Das weiß man durchaus.
00:25:05: Digitale Medien kommen den Bedürfnissen von Menschen mit ADHS sehr fair entgegen und darum gibt es einen gewissen Reiz, sich diesen Medien zuzuwenden.
00:25:18: Denn sie bieten schnelle Reizwechsel- und Stimulationen unmittelbare Rückmeldung und Belohnungen.
00:25:23: Sie helfen gegen Langeweile – die ist bei ADHS nämlich oft ganz besonders schwer auszuhalten!
00:25:28: Computer-Spiele schaffen es, die Aufmerksamkeit sehr lange zu halten was im Alltag bei so Alltagsanforderungen manchmal nur schwerer gelingt.
00:25:38: Und digitale Räume können zum Beispiel auch soziale Kontakte erleichtern wenn das in der direkten Interaktion doch eher anstrengend ist.
00:25:46: Es wäre also genauso plausibel dass Kinder und Jugendliche wegen ihrer ADHS häufiger zu digitalen Medien greifen und nicht andersrum einfach so digitale Medien verstärkt nutzen und plötzlich dadurch ADHS entwickeln.
00:26:01: Das bedeutet jetzt nicht, dass Medienkonsum dadurch völlig egal ist und sollen die doch einfach machen.
00:26:06: Kinder- und Jugendliche mit ADHS auch das es erforscht haben ein erhöhtes Risiko für Suchtverhalten.
00:26:13: Und das gilt eben auf exzessive Mediennutzung.
00:26:16: Und natürlich hat eine intensive Nutzung Auswirkungen auf Schlaf, Bewegung und Alltagsorganisationen auf Aufmerksamkeit.
00:26:25: Das hat Effekte!
00:26:27: Und darum ist auch oder gerade im ADHS-Kontext beispielsweise gute Medienbegleitung und darauf achten, eine fundierte Medienkompetenz zu entwickeln ganz besonders wichtig.
00:26:41: Aber das ist eine völlig andere Behauptung und ein völlig anderer Fokus als ... Oh!
00:26:46: Das Kind hat ADHS bekommen weil es so viel am Handy war.
00:26:49: Für diese Schlussfolgerung gibt es bislang keinerlei wissenschaftliche Grundlage.
00:26:55: Eigentlich müsste man fairerweise fragen und quasi einen Perspektivwechsel einnehmen.
00:27:02: Wenn ein Kind außergewöhnlich viel Zeit mit digitalen Medien verbringen möchte, dann kann man sich eben auch fragen, oh jetzt das Handy aus der Hand, sonst kriegen die alle ADIs.
00:27:12: oder es ist ja gar kein Wunder, dass das ADHS hat.
00:27:14: Und eigentlich müssen wir vielleicht fragen... Was findet denn ein Kind dort, was es im restlichen Alltag gerade nicht findet?
00:27:22: Oder was fehlt oder was schwerfällt und was können wir tun um die Eltern bei dieser großen Aufgabe von Medienerziehung wirklich gut zu unterstützen.
00:27:32: Wo können wir partnerschaftlich gemeinsam erziehen zum Beispiel in der Wechselbeziehungen Schule und Elternhaus.
00:27:43: Nächster Satz aber das muss das Kind doch auch mal lernen.
00:27:48: Das fällt gerne dann, wenn Menschen beobachten, dass älterneure, divergenten Kinder ihren Kindern vermeintlich oft sehr entgegenkommen oder haben vermeintliche alle in Anführungsstrichen Herausforderungen abnehmen.
00:28:05: Oder ich kann doch auch nicht immer nur Verständnis haben das muss es doch jetzt auch mal lernen.
00:28:10: und ja natürlich Kinder sollen lernen.
00:28:14: die sollen lernen mit Frustration umzugehen.
00:28:17: sie Sie sollten zunehmend selbstständiger werden.
00:28:21: Sie sollten natürlich lernen die eigenen Bedürfnisse gut wahrzunehmen, aber eben auch die anderen Lernaufgaben zu übernehmen, Übergänge zu bewältigen und sich zu organisieren – all diese Dinge, die jetzt im neurodivagenten Kontext schwierig sind.
00:28:34: Natürlich – und das wünschen sich alle Eltern auch!
00:28:38: Und es wünscht sich die Kinder auch – natürlich möchten sie dann eine gewisse Selbständigkeit und Kompetenz entwickeln.
00:28:46: Es geht bei Neurodivagenz nicht darum, und das ist der Vorwurf, der hier drinsteckt.
00:28:50: Dass wir einem Kind am besten für den Rest seines Lebens jede Herausforderung ersparen und im Vorfeld sofort abnehmen.
00:29:01: Es geht ja um verschiedene Dinge.
00:29:03: Erstens – wie lernen wir Menschen eigentlich?
00:29:06: Auf welchen Wege wollen wir diese Selbstständigkeit also unterstützen und Kompetenzen anbahnen?
00:29:12: Müssen wir denn alle überhaupt das Gleiche können und das gleiche lernen.
00:29:19: Und da steckt er auch ein bisschen drin, warum agieren älterneurodivagente Kinder manchmal sehr präventiv, sehr vorausschauend?
00:29:29: Und nehmen wieder in Anführungsstrichen dem Kind vermeintlich alles ab!
00:29:34: Aber fangen wir jetzt erstmal damit an.
00:29:37: Ja, das Kind muss das jetzt auch mal lernen und deswegen musst du jetzt hier besonders hart sein.
00:29:40: oder musst du dies oder musst Du jenes machen?
00:29:46: Da würde ich ganz gerne mal das Lehrkraft drauf schauen, wie wirklich nachhaltiges Lernen bei dem wir wirklich merken okay es verankert sich.
00:29:58: Wir können es üben und es kann wirklich ankommen.
00:30:01: Wie gelingt das?
00:30:05: Und jetzt frage ich einfach mal lernen wir etwas dadurch dass jemand immer wieder eine Anforderung an uns stellt für die wir aber gerade noch gar nicht die notwendigen Fähigkeiten besitzen.
00:30:17: Nehmen wir mal ein Kind mit ADHS, das so ganz simples Beispiel morgens ständig seine Sporttasche vergisst war bei mir definitiv der Klassiker.
00:30:24: Jetzt kann ich jeden Dienstag sagen, du bist zehn, du musst jetzt... Du bist zehn?
00:30:30: Du musst es jetzt mal langsam lernen!
00:30:32: Ich sage nichts mehr dazu.
00:30:35: Das kann ich jedem Dienstags sagen.
00:30:36: Jetzt du bist ten und du musst es langsam mal lernen, du muss es mal lernen.
00:30:40: Dieser Satz bringt einem Gehirn, aber nicht die Funktionen bei und die Fähigkeiten bei.
00:30:47: Also die Organisationskompetenzen bei, die es braucht um am Dienstagmorgen selbstständig daran zu denken dass heute Sport ist daraus abzuleiten das seine Sporttasche braucht dem Plan über mehrere Schritte aufrecht zu erhalten sich nicht zwischendurch von drei anderen Dingen ablenken zu lassen, vielleicht auch schon so antizipieren.
00:31:06: Okay morgens ist jetzt nicht so meine Zeit, vielleicht packe ich sie lieber abends.
00:31:10: was brauche ich denn überhaupt?
00:31:11: Was muss ich denn dafür mitnehmen?
00:31:12: und und und dieses an die Sporttasche denken ist ja auf wenn es erst mal nach einer einzelnen Aufgabe aussieht unglaublich komplex.
00:31:22: gerade bei diesen mehr schrettigen eher komplexen Aufgaben haben Kinder mit ADHS Schwierigkeiten, vor allem wenn es dann so Routineaufgaben sind jetzt auch nicht besonders interessant erscheinen.
00:31:34: Und es ist auch erwiesen dass die entsprechenden Gehirnareale da anders arbeiten zum Teichwächer ausgebildet sind.
00:31:41: das kann man richtig in so bildgebenden Verfahren nachweisen.
00:31:44: Das heißt die Sporttasche nicht mitzunehmen hat also nichts mit fehlender Willenstärke zu tun, überhaupt nicht.
00:31:52: Sondern wirklich damit dass der Gehirnaufbau dieser Kinder dieses daran denken und all die anderen Schritte die notwendig sind einfach extrem erschwert.
00:32:03: Und da hilft es nichts.
00:32:04: du ich helfe dir jetzt nicht mehr musst du selber daran denken du bist ja zehn Du musst das auch mal lernen sondern diese Kinder brauchen eine Begleitung Unterstützung einer Erinnerungshilfe Manchmal nur ganz simpel mit einem Zettel an der Tür, manchen weg auf dem Handy.
00:32:18: Die nächsten eben dadurch dass es quasi abends mit den Eltern zusammen eine Packroutine gibt und die Sporttasche quasi schon an der Türe steht und man da nur durchkommt wenn man die auch mitnimmt.
00:32:29: oder was dann wirklich die Strategie ist kann ja sehr unterschiedlich aussehen Und das ist auch erwiesen.
00:32:34: diese Kinder brauchen diese Unterstützung einfach deutlich deutlich länger als andere Kinder Und jetzt kommt da eben diese Sorge rein.
00:32:43: Ja, aber wenn du immer wieder erinnerst und immer wieder hilfst, immer wieder unterstützt, dann lernt es das doch nie!
00:32:52: Wir müssen einfach verstehen dass wie gesagt für bestimmte Lernprozesse muss man reif genug sein.
00:33:00: Wenn ein Kind Fahrrad fahren lernt, dann nehmen wir auch nicht am ersten Tag die Stützräder weg und sagen, man muss es irgendwann sowieso können, dann kann man sie auch gleich weglassen.
00:33:08: Irgendwann musst du das ja nur auch mal lernen.
00:33:11: Man unterstützt dann sinnvoll, wenn man so viel wie nötig und das sieht eben sehr individuell aus unterstützt.
00:33:17: Und dann die Unterstützung schrittweise langsam zurückfährt.
00:33:21: Wenn man merkt okay die Fähigkeit wächst, dass Kind kommt zum Beispiel bei dieser Strategie auch an eine gewisse Selbstständigkeit.
00:33:28: Dann können wir schrittweise zurückfahren.
00:33:31: Und neue und divergente Kinder brauchen solche Brücken länger oder brauchen eben andere als das, als man das so kennt.
00:33:37: Oder in manchen Bereichen auch wirklich dauerhaft weil dieses Gehirn immer und immer wieder dafür sorgt dass daran nicht einfach so gedacht wird.
00:33:49: ich bin neun dreißig Jahre und ich brauche bis heute unterstützende Schritte um an eigentlich völlig selbstverständliche Dinge zu denken.
00:33:59: Und es bedeutet nicht, dass wir diesen Kindern nicht zutrauen.
00:34:02: Es bedeutet ... Dass wir einfach unterscheiden können zwischen Nicht-Wollen und Nicht-Können zum Beispiel.
00:34:11: Das Kind kann es grundsätzlich noch nicht oder das Kind kann unter diesen Bedingungen noch nicht?
00:34:16: Oder wir wissen auch, das Kind kannt es heute gerade nicht!
00:34:22: Denn auch das wissen wir, Fähigkeiten sind bei Neurodivergents nicht immer gleich verfügbar.
00:34:28: Die Leistungsfähigkeit, dass was wir zeigen können und schaffen können hängt unglaublich... von den Dingen ab, die so um uns rum sind.
00:34:38: Und es gibt für alle Menschen aber im neurodivergenten Kontext einfach ein bisschen mehr.
00:34:41: Das hängt ab der Reizumgebung, von der Müdigkeit vom Stresslevel, von dem vorherigen Anforderungen des Tages.
00:34:49: wie verständnisvoll werde ich zum Beispiel in Schule begleitet?
00:34:52: Wie viel Kraft habe ich noch an einem Donnerstag zum Beispiel nachdem ich schon drei Tage irgendwie versucht hab mich maximal anzupassen weil eben für mich und meinen Sein in Schule nicht so viel Raum ist natürlich auch von Motivationen, von Sicherheitsgefühlen.
00:35:07: Von Hunger und alles hat einfach wahnsinnigen Einfluss auf Regulationskapazität aber eben auch darauf wie gut zum Beispiel unsere exekutiven Funktionen also unsere Planungsfähigkeiten und Organisationsfähigkeit funktionieren.
00:35:25: Und das war das, was ich eben gerade schon gesagt habe.
00:35:29: Wenn du das jetzt immer machst, dann lernst du es doch nie!
00:35:32: Wir müssen als Eltern nur die Vagentarkinder ständig abwägen.
00:35:36: Was traue ich gerade zu?
00:35:39: Was geht jetzt grade und was nehme ich aus sehr gutem Grund
00:35:44: ab?!
00:35:44: Was kann mein Kind gerade schaffen?
00:35:46: Was kann ich fordern, wo kann nicht fordern.
00:35:48: Wo braucht es Unterstützung und wo wäre jetzt eine zusätzliche Anforderung damit das Kind das mal lernt?
00:35:55: eigentlich nur ne weitere Belastungen die wenn wir ehrlich sind ohne irgendeinen Lerneffekt laufen würde.
00:36:01: denn wenn etwas unter Stress Erschöpfung gegen wer passiert und wir das quasi durchbringen und durchzwingen wollen dann ist der Lerneffekt in der Regel minimal bis gar nicht vorhanden.
00:36:14: Das Ziel von älter noch divagenter Kinder ist es, dort anzusetzen wo Entwicklung und Lernen gerade wirklich gut möglich ist.
00:36:25: Und nicht ständige Überforderungen oder das schaffst du jetzt alleine als eine Art Trainingsprogramm zu begreifen.
00:36:37: Ihr müsst bitte einfach mal Grenzen setzen oder keinen Wunder, der hat euch ja komplett im Griff.
00:36:45: Das ist keine ADHS des Kindes verzogen oder da müsst ihr mal konsequenter sein.
00:36:50: ach das ist ja alles überhaupt nicht verwunderlich wenn sie immer ihren Willen bekommt.
00:36:55: Ja all diese Sätze fallen in diesem oder ähnlichen Gewand und suggerieren quasi das Kind hat keine adhs sondern ihr erzieht es einfach nicht richtig dass kind isst Anführungsstrichen verzogen.
00:37:09: Und dieser Gedanke hat eine ganz, ganz lange Geschichte.
00:37:12: Immer wieder wurde Eltern vorrangig müttern die Schuld an der Neuridivagenz ihrer Kinder gegeben.
00:37:18: Heute weiß man davon gibt es keine wissenschaftliche Grundlage.
00:37:22: Weder Autismus noch ADHS und andere Formen entstehen ursächlich.
00:37:27: also sind plötzlich da Weil Eltern zu wenig Grenzen setzen oder zu viel kuscheln, vielleicht in Konsequenz sind mal.
00:37:35: Oder ihr Kind verwöhnen oder ihnen Schogebrötchen am Abend erlauben.
00:37:41: Natürlich und das wird sofort entgegengeschmettert.
00:37:43: Ja aber die Erziehung hat doch erheblichen Einfluss?
00:37:46: Ja natürlich beeinflusst wie wir Kinder begleiten... Das Beeinflusst unsere Kinder ist doch völlig logisch!
00:37:55: Natürlich beeinflusst ist die Entwicklung eines Kindes, ob es liebevoll begleitet wird.
00:37:59: Ob es Sicherheit erlebt oder Orientierung bekommt.
00:38:04: Ob Erwachsene eigene Grenzen mit Teilen oder authentisch sind verlässlich und sicher.
00:38:12: Aber Erziehung macht aus einem neurotypischen Gehirn nicht plötzlich ein Neurodivergentis!
00:38:21: Und andersrum macht auch Strenge Erziehung aus einem neurodivergenten Gehirn kein neurotypisches.
00:38:30: Also das ist ja irgendwie die Idee, wenn du jetzt ganz, ganz streng bist dann wird es auch klappt mit deinem Kind.
00:38:39: meinetwegen verhält sich dann ein kind im außen Ausangst besonders angepasst.
00:38:46: Wenn ein Kind aber autistisch ist oder adhs hat oder dyspraxie oder was auch immer Dann wird strenge nicht dazu führen, also nur an der oberflächlichen Ebeneben auf das Verhalten einwirken.
00:38:58: Wie gesagt Kinder werden sich noch mehr anstrengend, noch weniger aufzufallen alles richtig zu machen aus Angst vor dem was folgt in dieser Strenge.
00:39:07: aber es ist deswegen nicht plötzlich nicht mehr autistisch oder hat deshalb nicht plötzlich kein ADHS mehr und es bleibt einfach... Es wird so geboren und das bleibt dann auch!
00:39:20: Es wird wahrscheinlich nur bei strenger Erziehung.
00:39:24: Ja, noch mehr darauf achten sich so zu verhalten wie es offensichtlich gewünscht ist und die Folgen davon.
00:39:31: Und das weiß man sehr lange schon können verheerend sein denn eine unerkannte Divergents geht mit gewissen Komorbiditäten einher also erhöhten Suchtrate in der erhöhten Rate für Depressionen, Burnout und Angststörungen.
00:39:57: Was genau ADHS oder Autismus entstehen lässt ist habe ich schon mal anklängen lassen wissenschaftlich überhaupt noch nicht in Detail geklärt.
00:40:06: was wir schon wissen ist wie gesagt der genetische Faktor das Das am besten abgesichertste Momentan, dass es da einfach eine hohe Erblichkeit gibt.
00:40:22: Und was man weiß ist auch das Erziehung einen Einfluss darauf hat wie ein Kind mit seiner Neurodivergenz aufwächst also ob es die Chance bekommt hilfreiche Strategien zu entwickeln, ob sich selbst verstehen lernen darf, ob es Sicherheit und Unterstützung erlebt dem Thema ja anders sein zu Hause förderlich umgegangen wird.
00:40:48: Welche Werte da herrschen, welche Offenheit welcher sichere Hafen zuhause gegeben wird und auch welches Fahrwasser.
00:40:58: also gibt es einen möglichst verlässlichen Alltag?
00:41:01: All das hat Einfluss darauf wie sich so ein Kind mit Neure Divergenz entwickelt.
00:41:06: Aber Erziehung ist nicht die Ursache dafür, dass dieses Kind neurodivagent ist.
00:41:11: Und diese Unterscheidung ist ganz wichtig!
00:41:17: Jetzt kommt ein Satz den ihr vielleicht schon mal gesagt habt als Mensch der einen neurodivergenten Kind begleitet hat.
00:41:24: Das habt ihr vielleicht zu Eltern gesagt.
00:41:26: Ja aber bei mir macht das Kind das doch auch nicht und dieser Satz für Eltern ganz besonders schwierig.
00:41:35: Also bei mir macht das Kind es überhaupt nicht oder hey, das kann ich mir gar nicht vorstellen!
00:41:40: Ach, bei uns ist sie immer ganz entspannt.
00:41:42: also wenn er bei mir ist dann klappt das ne?
00:41:44: Solche Sätze fallen dann gerne mal und dieser Satz is meistens überhaupt nicht böse gemeint.
00:41:52: Das weiß ich.
00:41:52: Meistens soll er sogar beruhigen Mensch nur stresst sich doch nicht so.
00:41:55: guck mal bei uns klappt dass doch auch.
00:41:57: Man erzählt es einem Elternteil Vielleicht auch in besonders herausfordernden Situationen, um sowas zu sagen.
00:42:03: Guck mal bei mir geht es doch auch.
00:42:04: vielleicht ist es doch alles gar nicht so schlimm wie du dir das so vorstellst.
00:42:09: Es wird alles gut.
00:42:11: Das Problem ist nur für Eltern kann ein Satz sehr verunsichern oder eben auch sehr schmerzhaft sein.
00:42:18: Denn zum Beispiel also ich habe dass auch immer mal wieder als noch nicht klar war, also als wir noch keine Diagnose hatten bei meinen Kindern und ich aber schon so ein bisschen überlegt habe.
00:42:29: Also nicht nur ein bisschen belegt hab', sondern eigentlich schon wirklich, wirklich auch an einem Punkt war wo ich erschöpft war sehr an mir als Mutter gezweifelt hat das sich da fundamental irgendwas nicht richtig mache, weil sich so viele Dinge so anders gezeigt haben.
00:42:45: und dann vertraust du dich an.
00:42:47: Und dann heißt es was?
00:42:49: Also wenn er bei uns ist oder wenn sie bei uns sind, dann sehen wir das gar nicht also weiß ich nicht und dann sitzt du da wieder und denkst okay na also wenn es da funktioniert aber bei uns hat nicht, dann ist ja eigentlich der logische Punkt oder die logische Schlussfolgerung Das wird doch was falsch machen, dass ich mir hier irgendwie etwas einmeldet.
00:43:11: Dabei bin ich als Mutter das Problem und daraus ist oft resultiert, dass sich immer mehr Selbstzweifel bekommen habe und immer mehr gedacht hab oh mein Gott!
00:43:20: Ich bin wirklich die schlimmste Mutter der Welt und ich bin immer wieder von der Idee abgerückt mit Unterstützung zu holen weil überall woanders klappt es ja auch.
00:43:27: also es liegt ja an mir irgendwie und dann habe ich immer noch höre Maßstäbe an mich angesetzt und war noch enttäuschter von mir, wenn ich die nicht so erfüllen konnte in dem Perfektion.
00:43:37: Das musste ich mir das vorgenommen
00:43:38: haben.".
00:43:40: Und jetzt ist in dem Satz durchaus ein kleines bisschen Wahrheit!
00:43:46: Das muss man schon differenzieren.
00:43:48: Denn Menschen verhalten sich nicht in jeder Umgebung gleich, das gilt ja für uns alle!
00:43:52: Du verhältst dich in deinem Berufsalltag vermutlich auch ganz anders als mit deiner Partnerperson auf dem Sofa oder einer guten Freundin abends beim Essen.
00:43:59: Oder im Urlaub verhält so dich auch anders als im Schnödenalltag.
00:44:05: und ein Kind verhält sich zum Beispiel in der Schule anders als zu Hause oder bei der Oma anders als eben im Alltag zu Hause auf einem Kindergeburtstag, anders als am Alltag und so weiter und sofort.
00:44:18: Und bei Noro-divagenten Kindern können diese Unterschiede ganz besonders groß sein.
00:44:22: Zum einen unterscheiden sich vielleicht ganz simpel die Anforderungen.
00:44:27: Vielleicht wenn du ein Großelternteil bist Und allein mit dem Kind in einer ruhigen Wohnung bist.
00:44:33: Es gibt keine Geschwister, es gibt vielleicht keinen Zeitdruck, keine Hausaufgaben.
00:44:37: Keine zwanzig anderen Kinder!
00:44:39: Es gibt vielleicht genau das Essen was das Kind ganz besonders gerne mag und du kannst dich voll und ganz auf das Kind einlassen.
00:44:46: Es werden die Spiele gespielt ihr den Kind besonders gefallen Und natürlich wird sich ein Kind dann dort anders zeigen als an einem Dienstag, spät nachmittags um siebzehn Uhr nachts.
00:44:57: Was wäre ich?
00:44:58: wie vielen Stunden Schule?
00:44:59: Nach Hausaufgaben oder Hort oder noch irgendeinem Hobby und Busfahrt und was es nicht alles gibt.
00:45:07: Natürlich würde es da eine gewisse Unterscheidung geben und dann haben beide Personen oder beide Perspektiven auch erst mal recht.
00:45:16: Das schon mal vorweg.
00:45:17: Und dann gibt es noch etwas, das wir wie gesagt Masking nennen, Maskerungsverhalten, Camouflaging ... Es gibt ganz viele Begriffe dafür.
00:45:25: D.h.,
00:45:26: nochmal zur Erinnerung, neue, divergente Menschen und auch jüngste Kinder lernen sehr deutlich und stark Verhalten zu unterdrücken anzupassen oder zu überspielen um möglichst wenig aufzufallen einfach weil sie ganz besonders oft die Erfahrungen gemacht haben.
00:45:43: ich mache das irgendwie anders als Ich will das aber genauso, könnte ich mich nicht so auffallen.
00:45:47: Das finde ich irgendwie unangenehm oder sie bekommen auch direkt negatives Feedback.
00:45:50: Kann auch passieren!
00:45:53: Ein Kind kann in der Schule also unglaublich viel Energie darauf verwenden stillzusitzen sich wirklich akribisch genau an Regeln zu halten die auch zu beobachten Reize auszuhalten soziale Situationen zu entschlüsseln und darin dann bloß nichts falsch zu machen.
00:46:16: Und dann kommt es nach Hause an seinen sicheren Ort zu den Menschen, bei denen das eben nicht mehr funktionieren muss.
00:46:24: Das kennen ganz viele Eltern und die wagenten Kinder.
00:46:27: Dann folgt der große Zusammenbruch.
00:46:30: von außen entsteht dann dieses völlig absurde Bild.
00:46:34: In der Schule zum Beispiel heißt es, hey hier ist überhaupt nichts auffällig kann man das gar nicht vorstellen.
00:46:41: und zu Hause denken die Kinder wir sind hier wirklich am Ende unserer Kräfte hier funktioniert ja wirklich gar nichts mehr.
00:46:46: es ist nur noch anstrengend oder im Equivalent zum Beispiel bei den Großeltern.
00:46:53: Also, bei uns ist hier alles super, super entspannt und zu Hause sitzt man denkt also von der Spannung bin ich nun wirklich meilenweit entfernt.
00:47:01: Und beide Seiten sehen das gleiche Kind.
00:47:04: Beide Seiten haben in ihrer Welt recht zu sehen einfach das Kind nur in anderen Umgebungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten unter sehr unterschiedlichen Bedingungen und dementsprechend auch z.B.
00:47:15: mit unterschiedlich vollem Akkub beispielsweise.
00:47:18: Deshalb ist der Satz, bei mir macht das Kind es nicht.
00:47:23: Ja keine Wiederlegung der Erfahrungen der Eltern.
00:47:29: Es ist einfach eine zusätzliche Information und deshalb ist der Satz beim ihr macht das kindesnicht.
00:47:34: ja erst mal keine Widerlegungen der Erfahrung der Eltern.
00:47:37: also die Idee ist gar nicht denen abzusprechen auch dass was du mehr erzählst stimmt gar nichts sondern wir können zuerst mal zusätzlichen Informationen nehmen.
00:47:48: Und dann sollte es nicht darum gehen, um den Kampf.
00:47:51: wer von uns sieht hier das Kind eigentlich richtig?
00:47:53: Wer hat recht?
00:47:54: Sondern wenn man ist dann später schafft Wenn man darüber gut ins Gespräch kommt zu klären.
00:48:04: okay was sind denn eigentlich die Unterschiede?
00:48:07: warum kommen die her?
00:48:09: Was können wir da vielleicht wertvolles draus nehmen?
00:48:12: warum funktioniert es da ruhiger?
00:48:15: sind da vielleicht andere Anforderungen, passt die Umgebung für besser.
00:48:17: Was davon können wir vielleicht auch bei uns integrieren?
00:48:22: oder oder oder?
00:48:24: Damit wir aber dahin kommen und es genau so dann auszutauschen ist es ganz wichtig dass dieser Satz nicht als erstes gleich kommt.
00:48:33: hey bei mir macht das das nicht weil das einfach erstmal Eltern ein sowas defensives bringt oder daraus wahnsinnig schnellen Vorwurf gehört werden kann.
00:48:44: Auch das muss man fairerweise dazu sagen.
00:48:46: Manchmal steckt auch leider ein Vorwurf drin und wenn aber quasi beide Perspektiven die wahnsinnig wertvoll sind, Gewinn bringt fürs Kind zusammengebracht werden sollen dann ist super wertvoll!
00:48:57: Wenn ihr das nächste Mal nicht sagt hey das kenne ich jetzt gar nicht von ihm.
00:49:02: Also bei uns ist das noch nie passiert.
00:49:04: Das kann ich mir überhaupt gar nicht vorstellen, sondern wenn Eltern kommen und zum Beispiel erzählen was gerade anstrengend und herausfordernd ist oder worüber sie sich sorgen machen wo sie zweifeln dann einfach genauer nachfragen.
00:49:18: Oh!
00:49:18: Das habe ich selber jetzt auch gar nicht beobachtet.
00:49:20: Erzähl mal... Wann das passiert und zu gucken, wie kann ich jetzt einfach diese Elternperspektive ernst nehmen?
00:49:27: Die Sorgen der Eltern ernst nehmen.
00:49:29: Und zeigen, wo euch interessiert mich dafür, wie es euch Zuhause geht.
00:49:35: Echtes Interesse!
00:49:37: Wenn wir dann im Sprechen sind, darf man durchaus sagen, dass man das bei sich zu Hause als Oma, als Opa, als Tante Onkel, Freundinnen und Freunden anders beobachtet oder auch als Lehrkraft.
00:49:51: Dann kann man ja beide Situationen hier mal anschauen und mal gucken, ob vielleicht da eine Idee drinsteckt.
00:49:59: Irgendwas was dem Kind unterstützt.
00:50:04: Das ist übrigens ein ganz häufiger Fall zwischen Schule- und Lehrkraft wo die Kinder ebenso unterschiedlich agieren.
00:50:10: Und da die gegenseitige Beobachtung ernst zu nehmen anzunehmen und sagen okay Was steckt denn hier für wen irgendwie drin?
00:50:16: Was sind das für wertvolle Hinweise, ne.
00:50:20: Zu wissen dass ein Kind zu Hause nach der Schule völlig zusammenbricht gibt mir als Lehrkraft den Hinweis darauf.
00:50:25: okay irgendwas scheint jedoch ganz schön anstrengend zu sein auch wenn ich diese Anstrengung bei dem kind gar nicht so richtig sehen kann.
00:50:31: Andererseits werden jetzt die Oma eben erzählt ach das ist jetzt zuhause hier noch gar nicht aufgefallen.
00:50:39: wenn wir zusammen sind entstehen solche Situationen gar nicht.
00:50:44: Vielleicht dann eben durchaus doch, wenn das eben gut angefangen hat, das Gespräch zu schauen was sind denn dafür Bedingungen die dem Kind ganz besonders gut tun und was daraus können wir übernehmen?
00:50:55: Wir haben so ein Gespräch mit der Oma der Kinder schon oft geführt und für mich steckte da schon auch immer eine wertvolle Perspektive drin.
00:51:05: Aber diese Gespräche hatten dadurch eine Chance, dass wir uns von Anfang an eben auf Augenhöhe begegnet sind und meine Schwiegermutter ein ja sehr großes Interesse erstmal bekundet hat.
00:51:17: An unserer Perspektive mir zugehört hat und da nicht gleich was klein geredet hat Und so konnten wir dann in ein Gespräch kommen und viel einfach auch gegenseitig voneinander lernen.
00:51:28: Damit sind wir ein bisschen am Ende dieser besonderen Goldtogo-Folge angekommen.
00:51:32: Die wusste etwas länger war es für mich schon vorher klar, dass die ein bisschen dauern wird.
00:51:36: Wenn du diese Folge geschickt bekommen hast dann hoffe ich das sie genauso verstanden hast wie sie gemeint war als Einladung.
00:51:42: Niemand von uns kommt mit diesem Wissen auf die Welt.
00:51:45: Wir alle tragen Vorstellungen Mit uns herum die wir irgendwann mal gelernt haben gehört Haben vielleicht nie hinterfragt haben oder die wie gesagt einfach so genereller Konsens sind.
00:51:56: und Wenn du diese Folge an jemanden weitergeschickt hast, wünsche ich euch sehr dass ihr euch vielleicht an der einen oder anderen Stelle im Gespräch ein bisschen weiterbringt.
00:52:08: Oder ein Gespräch überhaupt erst mal leichter macht!
00:52:13: Als generelle Anregung möchte ich mitgeben das wir immer dann richtig gut fahren damit sich Menschen uns anvertrauen und in diesem Fall die Eltern, wenn sie sich uns anvertrauen.
00:52:27: Dass wir mit echtem Interesse auf Sie zugehen, dass wir erst mal Ihre Perspektive anhören.
00:52:32: Dass Wir diese Perspektiven annehmen auch wenn die sehr weit von dem weg ist was wir bisher darüber wussten.
00:52:39: Wir dürfen durchaus mal sagen das kenne ich aber anders.
00:52:42: Ach Spannend!
00:52:45: Wie sieht man das denn heute?
00:52:46: oder Was gibt es denn Darüber zu wissen?
00:52:48: Das ist wirklich das Fährste und Beste was wir diesen Eltern entgegen bringen können und auch den Kindern entgegenbringen können.
00:52:56: Denn Eltern, neue, divergenter Kinder können jede Zugewandtheit, jede helfende Hand jedes echte Interesse unglaublich gut gebrauchen!
00:53:08: Und wir machen die Welt ein bisschen leichter für diese Familien.
00:53:13: Ich denke da dir an diesen Familien, an diesen Kindern, an diesem Eltern gedeigen ist hast du bestimmt genug Motivation diesen Weg dann auch zu gehen.
00:53:21: Wie gesagt, ich hoffe hier steckt einiges drin.
00:53:24: Wir hören uns in der nächsten Folge bis dahin!
00:53:28: Und zu guter Letzt natürlich noch ein herzliches Dankeschön an Jakob Jensch und Voice-Up Productions für die Bearbeitung und die Produktion dieser Folge.
00:53:40: Ein Kopf voll Gold Was Neurodivagente Kinder brauchen und wie wir sie stärken können.
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